Tanger bereitet den nächsten Sandero vor

Die Renault Group bereitet die Industrialisierung der vierten Dacia-Sandero-Generation im Werk Tanger in Marokko vor. Mohamed Bachiri, Generaldirektor der Renault Group Maroc, erklärte, dass das intern DB4 genannte Programm zwischen Ende 2027 und Anfang 2028 in Produktion gehen soll. Vorgesehen sind Hybrid- und Elektroversionen neben konventionellen Antrieben.

Damit ist die industrielle Richtung bestätigt, aber noch nicht das vollständige Fahrzeug. Dacia hat bisher weder das endgültige Design noch Batterie, Reichweite, Preise oder die Ausstattung für die einzelnen Märkte veröffentlicht. Die Vorbereitung des Werks ist deshalb von einem späteren Marktstart zu unterscheiden, der weitere offizielle Mitteilungen erfordern wird.

Was Renault Group Maroc bestätigt hat

Bei einem internationalen Medientreffen in Tanger erklärte Bachiri, dass die marokkanischen Teams an der Industrialisierung der vierten Generation von Dacia-Modellen arbeiten. Er nannte Sandero, Logan und Jogger im Zusammenhang mit der DB4-Entwicklung und ordnete den Produktionsstart dem Zeitraum Ende 2027 bis Anfang 2028 zu.

Das Programm ist nicht als rein elektrischer Ersatz für den heutigen Sandero angekündigt. Bachiri sprach von mehreren Antriebsarten und von der Flexibilität des Werks. Das ist für Dacia wichtig, weil sich die Elektrifizierung in den verschiedenen Märkten mit unterschiedlicher Geschwindigkeit entwickelt.

Offen ist außerdem die Batterieproduktion. Der Chef von Renault Group Maroc sagte, dass noch nicht entschieden sei, wo die Batteriepacks für den elektrischen Sandero montiert werden. Deshalb gibt es derzeit keine bestätigten Angaben zu Zellchemie, Kapazität, Reichweite, Motorleistung oder Ladegeschwindigkeit.

Das Werk kennt den Sandero bereits

Das Renault-Group-Werk in Tanger nahm 2012 den Betrieb auf. Heute werden dort Dacia Sandero, Sandero Stepway, Dacia Jogger und Renault Express gebaut. Zu den Aktivitäten gehören Karosserie und Montage, Logistik, Fahrgestelle und die Montage von Unterbaugruppen. Die Anlage umfasst 300 Hektar, davon 37,7 Hektar überdachte Gebäude. Renault Group nennt 6.230 Beschäftigte zum 30. Juni 2026.

Die offiziellen Produktionsdaten für 2025 zeigen die Bedeutung des Sandero für Tanger. Das Werk fertigte 222.257 Fahrzeuge der dritten Sandero-Generation, 53.647 Jogger und 20.401 Renault Express. Außerdem werden kleine Stückzahlen der Elektrofahrzeuge Duo und Bento aufgeführt. Tanger verbindet damit eine große Sandero-Erfahrung mit ersten Erfahrungen bei elektrifizierten Fahrzeugen.

Sandero und Sandero Stepway werden seit 2013 in Tanger gebaut, die dritte Generation läuft dort seit 2020 vom Band. 2024 kam der Jogger Hybrid 140 hinzu, den Renault Group als erstes in Tanger montiertes Hybridfahrzeug bezeichnet. Für DB4 kann Dacia somit auf vorhandene Abläufe und qualifizierte Teams zurückgreifen.

Die Logistik rund um Tanger Med

Der Vorteil des Standorts besteht nicht nur aus den Montagehallen. Renault Group beschreibt die Region um Tanger Med als integriertes Industrie- und Logistikzentrum, in dem Zulieferer, Werk und Hafen eng zusammenliegen. Die Gruppe gibt an, dass marokkanische Fahrzeuge in 63 Zielländer exportiert werden und 82 Prozent der Produktion aus Tanger und Casablanca für den Export bestimmt sind.

Zum Ökosystem gehören 87 Zulieferer der ersten Ebene. Das Fahrzeugterminal von Tanger Med verfügt laut Renault Group über eine Kapazität von einer Million Fahrzeugen pro Jahr und direkte Verbindungen zu 24 Ländern. Zwei Eisenbahnlinien führen in das Werk und bringen fertige Fahrzeuge zum Hafen. Nach Angaben der Renault Group kann der Schienentransport den CO2-Fußabdruck gegenüber dem Straßentransport um etwa 90 Prozent senken.

Diese Infrastruktur passt zum europäischen und mediterranen Einsatzgebiet des Sandero. Sie sagt jedoch noch nicht, wie die Produktion der vierten Generation zwischen Tanger, Mioveni und anderen Werken der Gruppe verteilt wird. Auch die genaue Ausstattung für den deutschen Markt ist nicht bekannt.

Was Käufer noch nicht wissen

Der Zeitraum 2027-2028 ist ein von Renault Group Maroc genannter industrieller Zielkorridor und kein einheitlicher Liefertermin für alle Länder. Homologation, Produktionsanlauf, Bestellöffnung und Händlerverfügbarkeit können zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgen. Dacia hat noch keinen genauen Termin für den deutschen Marktstart genannt.

Die Elektroversion gehört zum Plan, besitzt aber noch kein öffentliches Datenblatt. Reichweite, Batteriekapazität, Leistung, Ladezeiten und Preis sind unbekannt. Auch die Hybridversion ist bisher als Bestandteil des Programms bestätigt, nicht als vollständig vorgestelltes Serienfahrzeug.

Für deutsche Käufer ist die wichtigste Information daher die Möglichkeit eines Sandero mit mehreren Antriebskonzepten aus einem großen Renault-Group-Werk in der Nähe Europas. Ob daraus ein besonders günstiger Preis oder ein schneller Marktstart entsteht, lässt sich erst nach den Produkt- und Marktangaben von Dacia beurteilen.

Eine wichtige Bewährungsprobe für Dacia

Der Sandero gehört zu den zentralen Volumenmodellen der Marke. Renault Group verweist regelmäßig auf seinen Erfolg bei europäischen Privatkunden. Die vierte Generation kommt allerdings in ein Segment, das von Emissionsvorschriften und der wachsenden Nachfrage nach Hybrid- und Elektroantrieben geprägt wird.

Tanger verfügt bereits über Erfahrung mit Sandero, der CMF-B-Plattform, Hybridmontage und Exporten in großem Umfang. Die Aufgabe besteht darin, Elektrifizierung hinzuzufügen, ohne das Verhältnis von Preis und Leistung aufzugeben, das den Sandero bekannt gemacht hat. Sicher bestätigt ist derzeit die Vorbereitung des Werks; Design, Preise und technische Daten folgen erst mit späteren Dacia-Ankündigungen.

Quellen