Der Interceptor GTX ist eine komplett neue Konstruktion, inspiriert von den Proportionen des Jensen-Modells der 1960er und 1970er Jahre. Fotoquelle: Jensen International Automotive
Der Jensen Interceptor GTX kehrt mit einem 973-PS-V8 zurück. Vorerst ist es ein Streckenprototyp
Der Name Jensen Interceptor kehrt an einem völlig neuen Auto zurück, 50 Jahre nach dem Ende der Produktion des Klassikers. Der Interceptor GTX ist ein fahrbereiter Prototyp für die Rennstrecke, mit aufgeladenem V8, 973 PS, Hinterradantrieb und einer Aerodynamik, die ein riesiger Carbon-Heckflügel beherrscht.
Das Auto entwickelte Jensen International Automotive (JIA), das britische Unternehmen, das sich bisher auf Restauration und Modernisierung von Interceptor-Exemplaren spezialisiert hatte. Der GTX nutzt jedoch nicht das Chassis eines alten Autos und ist kein Restomod. Das Projekt startet bei null und dient als Entwicklungsplattform für künftige Straßen-Jensen-Interceptor.
6,8-Liter-Kompressor-V8
Unter der langen Haube sitzt ein 6,8-Liter-V8 mit Trockensumpfschmierung und einem mechanischen Kompressor von etwa 2,7 Litern. Der Motor geht von der GM-LT-Architektur aus, wurde aber von der US-Firma Late Model Engines tiefgreifend verändert. Laut JIA sind weniger als 20 Prozent der Komponenten noch die der Basiseinheit.
Zu den Änderungen gehören CNC-gefräste Zylinderköpfe, Titanventile und überarbeitete Systeme für variable Ventilsteuerung und Direkteinspritzung. Die Höchstdrehzahl beträgt 7.000/min. Die in der GTX-Spezifikation angegebene Leistung ist 960 bhp, entsprechend etwa 973 PS metrisch. Der Hersteller sagt, der Verbund habe technische Reserve bis etwa 1.217 PS, das ist jedoch nicht die Leistung des gezeigten Autos.
| Merkmal | Jensen Interceptor GTX |
|---|---|
| Motor | 6,8-Liter-V8, mechanischer Kompressor |
| Leistung | 973 PS |
| Höchstdrehzahl | 7.000/min |
| Antrieb | hinten |
| Getriebe | sequenziell, 6 Gänge |
| Masse mit Flüssigkeiten | 1.660 kg |
| Massenverteilung | 49:51, vorn/hinten |
Sequenzialgetriebe und Motor weit hinter der Vorderachse
Der Motor sitzt hinter der Vorderachsline, die Leistung erreicht das heckseitig montierte Getriebe über eine Carbon-Gelenkwelle. Das Sechsgang-Sequenzialgetriebe kommt von Samsonas Motorsport und nutzt geradverzahnte Zahnräder. Der Fahrer kann über Schaltwippen oder den Hebel auf dem Mitteltunnel schalten.
Diese Anordnung hilft zu einer nahezu gleichen Massenverteilung. Das Wavetrac-Differenzial, die Traktionskontrolle und das einstellbare ABS sollen die 973 PS auf der Strecke nutzbar machen, JIA beschreibt das Erlebnis dennoch als überwiegend mechanisch und analog.

Der verstellbare Flügel kann allein mehr als 350 kg Abtrieb erzeugen, laut Unternehmen. Fotoquelle: Jensen International Automotive
Chassis und Karosserie aus Aluminium
Die Struktur ist eine geklebte und genietete Aluminium-Monocoque. Die ebenfalls aluminiumene Karosserie formen britische Spezialisten von Coventry Metalcraft von Hand, das Design entstand mit Avant Design. Carbon ist vor allem aerodynamischen Elementen vorbehalten.
Das Fahrwerk nutzt doppelte Aluminium-Dreiecksquerlenker an beiden Achsen und Nitron-Dämpfer mit dreifacher Handverstellung. Die Lenkung hat hydraulische Unterstützung, gewählt wegen des Feedbacks, nicht elektrische Servolenkung. AP-Racing-Bremsen arbeiten mit Stahlscheiben, die im Trackday-Kontext als konstanter und leichter nutzbar gelten als manche Carbon-Keramik-Lösungen.
Geschmiedete Vossen-Räder haben etwa 51 cm Durchmesser und tragen Michelin Pilot Sport 4S. JIA bevorzugte straßenzugelassene Reifen statt Slicks, damit die Haftgrenze für Fahrer ohne Rennerfahrung progressiver bleibt.
Funktionierende Aerodynamik, nicht nur Dekor
Der GTX behält die lange Haube und die große Heckscheibe des Original-Interceptor, der Rest der Form folgt jedoch Kühlung und Abtrieb. Vorn sitzt ein großer Splitter, der Unterboden ist profiliert, der Heckdiffusor nimmt fast die volle Breite ein.
Der verstellbare Flügel erzeugt allein mehr als 350 kg Abtrieb, laut JIA-Daten. Die Auspuffe sitzen über dem Diffusor, Öffnungen hinter den Vorderrädern führen heiße Luft aus dem Bremsenbereich ab.

Der Innenraum hat FIA-homologierten Überrollkäfig, Carbon-Sitze und MoTeC-Instrumente, der GTX ist aber nicht für eine Wettbewerbsklasse homologiert. Fotoquelle: Jensen International Automotive
Es ist ein Streckenauto, aber kein homologiertes Rennfahrzeug
Der Innenraum hat zwei Tillett-Carbon-Sitze, Sechspunktgurte, eine Feuerlöschanlage und eine FIA-homologierte Schutzstruktur. Die Instrumente liefert MoTeC, die Mittelkonsole bündelt die technischen Schalter. Mit Alcantara bezogene Flächen halten jedoch eine visuelle Verbindung zu einem Grand Tourer.
Der Interceptor GTX ist nicht für öffentliche Straßen legal und nicht nach dem Reglement einer FIA-Klasse wie GT2, GT3 oder GT4 gebaut. Er ist ein Demonstrator für private Streckentermine und zur Validierung von Teilen, die in spätere Modelle wandern könnten. JIA hat keinen offiziellen Preis und kein Produktionsvolumen für den GTX mitgeteilt.
Als Nächstes Interceptor GT und GTR für die Straße
Das Unternehmen bereitet zwei straßenzugelassene Versionen vor. Der Interceptor GTR soll einen Teil von Charakter und Aerodynamik des GTX behalten, während der Interceptor GT ein Viersitzer-Grand-Tourer mit ruhigerer Karosserie und einem auf lange Reisen ausgerichteten Innenraum wird.
Dafür werden ein klassisches Schaltgetriebe und eine Automatik geprüft. Daten, Preise und Einführungsdaten sind noch nicht endgültig. Der Raum vor dem Motor würde sogar später die Integration eines Elektromotors erlauben, falls Vorschriften oder Kundennachfrage ein Hybridsystem verlangen.
Der GTX ist daher als technische Aussage über die Richtung der neuen Jensen-Palette zu sehen. Die tatsächliche Rückkehr der Marke auf die Straße hängt davon ab, diesen Prototyp in ein homologiertes, produziertes Auto zu verwandeln – eine Stufe, für die das Unternehmen noch keinen festen Zeitplan genannt hat.



