Graeme Gambold, bei Kia Australia für die Abstimmung von Fahrkomfort und Fahrverhalten verantwortlich, sieht die Wünsche begeisterter Autofahrer zu wenig berücksichtigt. In einem am 2. November 2026 veröffentlichten Interview mit carsales beschreibt er seine Unzufriedenheit bei der Suche nach einem angenehm fahrenden, gut ausgestatteten Auto ohne elektronische Eingriffe, die er persönlich als störend empfindet.

Das Gespräch behandelt die Fahrzeugentwicklung für australische Bedingungen. Es kündigt keinen neuen Kia-Sportwagen an und ist auch keine Untersuchung der Vorlieben sämtlicher Käufer. Entscheidend ist die Trennung zwischen lokalen Lenkungs- und Fahrwerksabstimmungen, den bereits dokumentierten Funktionen des EV6 GT und den Ideen der Studie Vision Meta Turismo. Aus diesen drei Bereichen ergeben sich unterschiedliche Aussagen über die Arbeit der Marke.

Die Lenkung beansprucht viel Abstimmungsarbeit

Nach Gambolds Angaben im Interview entfällt ungefähr die Hälfte der lokalen Kia-Abstimmungsarbeit auf die Lenkung. Als Vergleichsfahrzeuge nennt er unter anderem Produkte von Volkswagen. Die Zahl beschreibt den Arbeitsumfang des australischen Teams. Sie ist weder ein Anteil am weltweiten Entwicklungsbudget noch eine objektive Bewertung, mit der sich die Lenkungsqualität verschiedener Hersteller in Punkten vergleichen ließe.

Eine Bestätigung des lokalen Programms liefert Kia selbst auf der australischen Produktseite des K4. Dort beschreibt der Hersteller eine Anpassung von Komfort und Fahrverhalten an die Straßenbedingungen des Landes, wie sie bei einem großen Teil der Modellpalette erfolge. Der K4 wird dort als Schrägheckmodell und Limousine vorgestellt. Die Abstimmungsarbeit wird somit auch für ein reguläres Serienfahrzeug erläutert, nicht ausschließlich für eine Hochleistungsvariante.

Die regionale Einordnung ist für europäische Leser wichtig. Ein australisches Programm belegt keine identische Kalibrierung eines in Europa angebotenen K4. Außerdem ist die Rückmeldung der Lenkung ein anderer Gesichtspunkt als die Leistung neben einem GT-Schriftzug. Die Produktseite zeigt eine konkrete Entwicklungspraxis, ohne damit einen weiteren Sportwagen oder eine weltweite Vereinheitlichung der Fahrwerksabstimmung anzukündigen.

Der EV6 GT ist das vorhandene Serienbeispiel

Für die europäische Überarbeitung des EV6 GT zum Modelljahr 2025 nannte Kia in der Mitteilung vom 11. Dezember 2024 einen Akku mit 84 kWh. Bei aktivierter Launch Control sollten bis zu 478 kW beziehungsweise 650 PS verfügbar sein. Im GT-Modus führte dasselbe Dokument 448 kW oder 609 PS auf. Die Leistungswerte gelten damit unter unterschiedlichen Betriebsbedingungen.

Nur die größere Zahl ohne den Hinweis auf Launch Control zu nennen, würde einen Teil der technischen Beschreibung auslassen. Kia gab außerdem 3,5 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h und 260 km/h Höchstgeschwindigkeit an. Das sind Herstellerdaten, keine Carboratory-Messungen. Die damalige europäische Mitteilung kennzeichnete ihre technischen Angaben ausdrücklich als vorläufige Spezifikationen vor der jeweiligen Markteinführung.

Die aktuelle britische Kia-Ausstattungsseite nennt unabhängig davon den 84-kWh-Akku, eine elektronisch geregelte Federungs- beziehungsweise Dämpfungssteuerung und ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial. Auch Virtual Gear Shift steht in der Liste. Software gehört bei diesem Serienmodell also zum sportlichen Konzept. Die britische Aufstellung garantiert jedoch keine identische Ausstattung für jedes Land und jede unter dem Namen EV6 angebotene Ausführung.

Damit lässt sich auch Gambolds Kritik genauer einordnen. Fahrwerksregelung, simulierte Gangwechsel und ein Warnhinweis eines Assistenzsystems erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das Interview enthält keinen Vergleichstest dieser Funktionen. Es belegt deshalb auch nicht, dass eine einzelne Eigenschaft des GT die von Gambold beschriebenen Einwände gegen störende Eingriffe in modernen Fahrzeugen bereits beantwortet oder für jeden Fahrer ausräumt.

Virtuelle Gangwechsel sind keine manuelle Mechanik

Die offizielle Kia-Betriebsanleitung erklärt Virtual Gear Shift als Nachbildung des Schaltgefühls eines Verbrenners in einem Elektroauto mit Motor und Untersetzungsgetriebe. Dafür werden Motorreaktion und künstlicher Klang aufeinander abgestimmt. Über die Schaltwippen wählt der Fahrer virtuelle Fahrstufen. Das System baut somit kein konventionelles mechanisches Handschaltgetriebe in den elektrischen Antrieb ein.

Die Dokumentation beschreibt einen automatischen und einen manuellen Betrieb sowie die Anzeige des virtuellen Gangs und einen zur Simulation passenden Klang. Das sind definierte Interaktionen und mehr als eine unbestimmte Aussage über zusätzliche Leistung. Ob sie einem bestimmten Fahrer gefallen, lässt sich aus der Ausstattungsliste allein nicht ableiten. Sie beschreibt die Funktion, misst jedoch keine persönliche Freude am Fahren und ersetzt keine eigene Beurteilung im Fahrzeug.

Auch die Betriebsgrenzen gehören zur Erklärung. In den Modi Eco und Snow ist Virtual Gear Shift laut Anleitung nicht verfügbar. Der intelligente Tempomat kann die Funktion vorübergehend aussetzen. Batterieladezustand sowie Eingriffe der Traktions- oder Stabilitätsregelung können ihren Betrieb begrenzen. Die Schaltwippen und die sportliche Anzeige bleiben damit in konkrete Softwarebedingungen eingebunden, statt jederzeit unabhängig von anderen Fahrzeugsystemen zu arbeiten.

Vision Meta Turismo bleibt eine Studie

Mit Vision Meta Turismo untersucht Kia die digitale Seite in einem Konzeptfahrzeug. Die offizielle Darstellung unterscheidet den Fahrerbereich von der Passagierzone und stellt eine modulare Schnittstelle namens Add-Gear vor. Laut Hersteller kann sie unter anderem Spielsteuerung, Audiofunktionen und intelligente Anzeigen verbinden. Das sind Bestandteile einer Designstudie, keine bereits zugesagten Ausstattungen für ein an Kunden ausgeliefertes Serienauto.

Die Konzeptseite nennt die Erlebniswelten Speedster, Dreamer und Gamer sowie ein Head-up-Display mit erweiterter Realität. Das Spielszenario gehört zum stehenden Fahrzeug. Diese Bedingung ist bei der Beschreibung beizubehalten, damit nicht sämtliche gezeigten Unterhaltungsfunktionen als Anwendungen für die Fahrt auf öffentlichen Straßen erscheinen. Eine Darstellung des möglichen Innenraumerlebnisses ist zudem keine verbindliche Liste später erhältlicher Extras.

Die geprüften offiziellen Materialien enthalten keinen festen Verkaufstermin für Vision Meta Turismo. Gambolds Aussagen bestätigen folglich weder eine Rückkehr des Stinger noch einen erschwinglichen Sportwagen mit Hinterradantrieb. Das Interview beschreibt die Einschätzung eines Ingenieurs, der EV6 GT dokumentiert eine Serienlösung und die Studie zeigt eine gestalterische Erkundung. Diese Belege sollten ihren jeweiligen Aussagebereich behalten, solange kein konkretes neues Serienmodell mit verbindlichen Daten angekündigt ist.

Archivfoto: Kia EV6 GT im Jahr 2023, vor der hier beschriebenen Überarbeitung zum Modelljahr 2025. Alexander-93 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Verkleinert und in WebP umgewandelt; bearbeitetes Bild unter derselben Lizenz.

Quellen