McLaren hat den Namen und die Leistung seines nächsten Serien-Supersportwagens bestätigt: Der McL 820 soll 2027 kommen und 820 PS leisten. Die Mitteilung vom 30. Oktober 2026 nennt diese Eckdaten, kündigt weitere Informationen jedoch erst für das kommende Jahr an. Eine vollständige technische Beschreibung oder einen Preis enthält sie noch nicht.
Vorgestellt wurde der Name auf einer Kiwi-Skulptur im Zentrum Londons. Deren Tarnmuster trägt den Schriftzug McL 820, zeigt aber keine Karosserie des späteren Serienautos. Das Bild in diesem Artikel zeigt den aktuellen 750S als Bezug zur bestehenden Generation. Es ist weder ein Foto noch eine Designvorschau des künftigen McL 820.
Was die Zahl 820 bereits aussagt
Nach Angaben des Herstellers steht die Zahl für die Leistung in metrischen Pferdestärken. Die bestätigten 820 PS entsprechen rund 603 kW. Die Einheit sollte bei jedem Vergleich mitgeführt werden, weil unterschiedliche Leistungsangaben sonst wie voneinander abweichende Motorversionen wirken können, obwohl sie denselben Wert nach verschiedenen Konventionen ausdrücken.
Gegenüber den 750 PS des 750S ergibt sich ein Plus von 70 PS beziehungsweise rund 9,3 Prozent. Das ist eine Berechnung aus Herstellerangaben, keine Carboratory-Messung. Aus dem Leistungsplus folgt nicht automatisch dieselbe Verbesserung bei Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit oder Rundenzeiten. Für den McL 820 fehlen in dieser Mitteilung die entsprechenden Fahrleistungsdaten.
Auch die Herkunft der Leistung bleibt offen. McLaren nennt weder die Motorbauart noch eine bestätigte Hybridkonfiguration. Es gibt keine Aufteilung zwischen Verbrenner und Elektromotor, keine Batteriekapazität und keine elektrische Reichweite. Aussagen zu einem V8 oder einer anderen Antriebslösung wären daher derzeit als Erwartungen einzuordnen und nicht als bestätigte technische Ausstattung.
Der 750S liefert einen belegbaren Vergleichsmaßstab
Die offizielle 750S-Broschüre, die der autorisierte Händler McLaren Tampa Bay verbreitet, enthält EU- und UK-Spezifikationen mit Stand vom 25. April 2023. Sie beschreibt den M840T, einen mittig eingebauten Biturbo-V8 mit 3.994 cm³ Hubraum. Für diesen Motor sind 750 PS und 800 Nm angegeben.
Die Kraft gelangt über ein Siebenganggetriebe mit der Bezeichnung Seamless Shift Gearbox an die Hinterräder. Diese Kombination gehört zum 750S. Die neue Mitteilung bestätigt nicht, dass der McL 820 denselben Motor, dasselbe Getriebe oder dieselbe Antriebsanordnung übernimmt. Der numerische Vergleich der Leistung ersetzt deshalb keinen Nachweis gemeinsamer Komponenten zwischen den beiden Fahrzeugen.
Für das 750S Coupé nennt McLaren 2,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 7,2 Sekunden von 0 auf 200 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt laut Broschüre 332 km/h. Das sind Herstellerwerte, keine Ergebnisse eines eigenen Fahrtests. Beim Spider bleibt die Leistung gleich; für den Sprint auf 200 km/h sind jedoch 7,3 Sekunden angegeben.
Der Unterschied zwischen den Karosserievarianten zeigt, weshalb eine höhere PS-Zahl allein noch keine genaue Beschleunigungsprognose erlaubt. Gewicht, Übersetzung und Aerodynamik wirken ebenfalls mit. Solange diese Angaben zum McL 820 fehlen, lässt sich ihm weder ein seriös berechneter Sprintwert noch ein bereits nachgewiesener Vorteil auf der Rennstrecke zuschreiben.
Gewicht muss nach demselben Standard verglichen werden
Beim 750S Coupé stehen 1.277 kg als leichtestes Trockengewicht und 1.389 kg als DIN-Gewicht in der technischen Tabelle. Für den Spider lauten die entsprechenden Werte 1.326 und 1.438 kg. Diese Zahlen sind nicht austauschbar. Ein Vergleich des Trockengewichts auf der einen Seite mit dem DIN-Wert auf der anderen würde das Leistungsgewicht verzerren.
McLaren beschreibt beim 750S die Monocage-II-Struktur aus Kohlefaser und eine Gewichtsreduzierung von 30 kg gegenüber dem Vorgänger. Für den McL 820 enthält die Ankündigung noch keine Masse und keinen dazugehörigen Messstandard. Ein belastbares Leistungsgewicht des neuen Autos lässt sich daher aus den bislang bestätigten Daten nicht bestimmen.
Zur Aerodynamik des 750S gehört nach Herstellerangaben ein Heckflügel mit 20 Prozent größerer Fläche. Er übernimmt Funktionen zur Verringerung des Luftwiderstands und als Luftbremse. Für das Fahrwerk werden ProActive Chassis Control III und adaptive Dämpfung genannt. Die Carbon-Keramik-Bremsen besitzen vorne Sechs- und hinten Vierkolbensättel.
Diese Details beschreiben die dokumentierte Ausgangsbasis. Sie sind keine vorweggenommene Ausstattungsliste des McL 820. Für einen vollständigen Generationenvergleich werden dessen eigene Angaben zu Bremsen, Fahrwerk und aerodynamischen Bauteilen benötigt. Erst dann kann das Leistungsplus in einen nachvollziehbaren technischen Zusammenhang gestellt werden, ohne Eigenschaften des bestehenden Modells einfach zu übertragen.
Der neue Name knüpft an die Rennsportgeschichte an
McLaren erklärt den Vorsatz McL mit der eigenen Motorsporttradition. Zusammen mit einer leistungsbezogenen Zahl soll er die Benennung von Fahrzeugen über Automotive und Racing hinweg vereinheitlichen. Daraus folgt keine Bestätigung, dass der Straßenwagen eine Formel-1-Antriebseinheit oder ein direkt aus einem Rennwagen übernommenes Getriebe erhält.
Den Hintergrund liefert die offizielle Vorstellung einer gemeinsamen Markenidentität vom 22. September. Der neue McLaren-Schriftzug orientiert sich demnach am Schild der Familientankstelle in Remuera, Auckland. Sie gehörte Bruce McLarens Eltern Les und Ruth. Speedmark, die Farbe Papaya und der Speedy Kiwi bleiben Bestandteile dieser Identität und verbinden sie mit der Geschichte der Marke.
Der Kiwi verweist auf die neuseeländische Herkunft des Gründers. In der September-Mitteilung werden außerdem das historische Straßenwagenprojekt M6GT und die Vorstellung des McL 6GT erwähnt. Ein ähnlicher Namensbestandteil belegt aber keine gemeinsame Plattform mit dem McL 820. Auch ein manuelles Getriebe wird für das jetzt angekündigte Auto im Oktober-Text nicht bestätigt.
Für Käufer fehlen noch konkrete Verkaufsbedingungen
Einen Europreis, eine deutsche Zuteilung oder einen landesspezifischen Lieferbeginn nennt McLaren bislang nicht. Die Angabe 2027 ist ein allgemeines Ankunftsfenster. Auch die angekündigte Veröffentlichung weiterer Informationen im selben Jahr legt noch keinen Monat für die vollständige Präsentation oder die ersten Kundenübergaben fest.
Wer ein aktuelles 750S-Angebot mit dem künftigen McL 820 abwägen will, benötigt die Serienausstattung, eine vollständige technische Spezifikation und tatsächliche lokale Vertragsbedingungen. Ein Händlerangebot für einen bestehenden Wagen bezieht sich auf dessen konkrete Konfiguration. Als nächster offizieller Schritt stehen zusätzliche Informationen im Jahr 2027 an; sie müssen die Lücken hinter den bereits bestätigten 820 PS erst schließen.
Kontextfoto des aktuellen 750S, nicht des künftigen McL 820. Verkleinert und in WebP umgewandelt; Fotograf Calreyn88 / Wikimedia Commons, CC0 1.0.



