Beim europäischen Auto des Jahres 2027 stehen ausschließlich batterieelektrische Fahrzeuge im Finale. Die am 30. Oktober veröffentlichte Auswahl umfasst BMW iX3, Cupra Raval, Hyundai Ioniq 3, Kia EV2, Renault Twingo, Volkswagen ID.Polo und Volvo EX60. Welches Modell den Titel von der Mercedes-Benz CLA übernimmt, wird am 8. Januar 2027 auf dem Brüsseler Autosalon bekanntgegeben.

Nach Angaben des Veranstalters ist dies das erste rein elektrische Finale in der 63-jährigen Geschichte des Wettbewerbs. Die Reihenfolge der sieben Namen ist alphabetisch. Sie bildet weder eine vorläufige Punktetabelle ab noch benennt sie einen Favoriten. Für die Entscheidung folgen weitere Fahrtests und eine abschließende Abstimmung.

Vom kleinen Twingo bis zum iX3

Die Auswahl deckt deutlich unterschiedliche Fahrzeugkonzepte ab. Renault nennt für den Twingo E-Tech electric 3,79 Meter Länge, fünf Türen und zwei einzeln um 17 Zentimeter verschiebbare Rücksitze. Der Elektromotor leistet 60 kW, die LFP-Batterie bietet 27,5 kWh nutzbare Energie. Die vom Hersteller angegebene Reichweite beträgt bis zu 263 Kilometer nach WLTP.

BMW stellt dem mit dem iX3 die Neue Klasse gegenüber. Für den 50 xDrive nennt die technische Presseunterlage 345 kW und 108,7 kWh nutzbare Batteriekapazität. Die maximale Reichweite liegt laut BMW bei 805 Kilometern WLTP, die maximale Gleichstrom-Ladeleistung bei 400 kW. Von zehn auf 80 Prozent sollen unter den beschriebenen Bedingungen 21 Minuten genügen. Die WLTP-Angaben werden im ursprünglichen Dossier als vorläufig bezeichnet.

Diese Zahlen sind Herstellerangaben und keine Messwerte eines Carboratory-Vergleichstests. Der Wettbewerb entscheidet außerdem nicht allein nach Reichweite oder Ladeleistung. Ein Stadtauto muss deshalb keine Batterie auf SUV-Niveau mitbringen, um im selben Finale bewertet werden zu können.

Zwei spanische Modelle mit gemeinsamer Fertigung

Cupra Raval und Volkswagen ID.Polo laufen in Martorell vom Band. Den Produktionsbeginn meldete SEAT & CUPRA am 3. Juni. In der Finalistenliste stehen sie trotzdem als eigenständige Kandidaten. Die gemeinsame Fertigung führt weder zu gemeinsamen Punkten noch zu einer zusammengefassten Bewerbung.

Beim Raval unterscheiden sich die Varianten unter anderem durch ihre Zellchemie. Für Raval und Raval Plus mit 85 beziehungsweise 99 kW nennt Cupra eine LFP-Batterie mit 37 kWh netto. Endurance und VZ erhalten 52 kWh netto mit NMC-Zellen. Für Endurance mit 155 kW werden rund 450 Kilometer genannt; die 166 kW starke VZ Extreme aus dem Einführungsprogramm kommt laut Dokumentation auf rund 400 Kilometer.

Für den Volkswagen nennt die Mitteilung aus Martorell bis zu 454 Kilometer WLTP. Außerdem beschreibt sie Vehicle-to-Load, also die Versorgung externer Geräte aus dem Fahrzeug. Das ist ein Ausstattungsmerkmal des beschriebenen Modells und noch kein Ergebnis der kommenden gemeinsamen Jurytests.

Hyundai, Kia und Volvo im selben Wettbewerb

Hyundai Ioniq 3 wurde für europäische Kunden entwickelt und wird in İzmit in Türkiye gebaut. Die Meldung zur Finalteilnahme beschreibt einen kompakten Fünftürer mit fünf Sitzplätzen, 441 Litern Gepäckraum und bis zu 497 Kilometern WLTP für die Long-Range-Version. Die Nominierung bestätigt den Platz im Finale, aber keine unabhängige Bestwertung für jede dieser Eigenschaften.

Kia EV2 ist 4,06 Meter lang. Die deutsche Markteinführungsunterlage nennt Batterien mit 42,2 und 61,0 kWh. Mit 16-Zoll-Rädern betragen die maximalen WLTP-Reichweiten 317 beziehungsweise 453 Kilometer. Für größere Räder führt Kia andere Werte auf. Wer die Daten eines konkreten Angebots mit der Finalistenliste abgleicht, muss daher auch Batterie und Radgröße berücksichtigen.

Volvo EX60 nutzt die Architektur SPA3. In der Juli-Mitteilung zu ersten europäischen Kundenauslieferungen wird die Reichweite von bis zu 810 Kilometern dem P12 AWD zugeordnet. Volvo kennzeichnet die Reichweiten weiterhin als vorläufig und auf WLTP-Teststandards beruhend. Die im selben Text genannten potenziellen 16 Minuten von zehn auf 80 Prozent beziehen sich dagegen auf P6 und P10. Beide Spitzenwerte dürfen nicht zu einer fiktiven einzigen Ausführung kombiniert werden.

Welche Regeln über den Sieger entscheiden

In der ersten Runde benennt jedes Jurymitglied sieben Autos, ohne Punkte zu verteilen. Für die Schlussabstimmung stehen pro Person 25 Punkte zur Verfügung. Sie müssen auf mindestens fünf Fahrzeuge verteilt werden; höchstens zehn Punkte dürfen an die erste Wahl gehen. Für die beiden bestplatzierten Modelle eines Stimmzettels sind identische Punktzahlen ausgeschlossen.

Die Statuten verlangen eine Begründung. Zu den Kriterien zählen Gestaltung, Komfort, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Fahrverhalten, Leistung, Funktionalität, Umweltanforderungen, Fahrerzufriedenheit und Preis. Technische Innovation und Gegenwert fürs Geld werden ausdrücklich hervorgehoben. Die höchste Gesamtsumme entscheidet. Bei Gleichstand zählt zunächst, welches Auto von mehr Juroren auf Platz eins gesetzt wurde, danach gegebenenfalls die Zahl der zweiten Plätze.

Renault erreicht mit Twingo zum sechsten Mal hintereinander das Finale. Vor ihm waren Megane, Austral, Scenic, Renault 5 und Renault 4 dabei. Scenic gewann 2024, Renault 5 gemeinsam mit Alpine A290 im Jahr 2025. Diese Vorgeschichte liefert Kontext für die aktuelle Nominierung, verschafft dem Twingo aber keine zusätzlichen Punkte.

Termine und eine Abweichung auf der Website

Die konkrete Ankündigung für 2027 sieht gemeinsame Tests in Balocco in Italien am 25. und 26. November vor und nennt den 31. Dezember als Ende der Abstimmung. Die allgemeine Seite zum Wahlverfahren führt dagegen noch den 29. Dezember und Tests im Dezember auf. Für diese Ausgabe wird hier die jüngere, ausdrücklich auf 2027 bezogene Meldung herangezogen; der Unterschied bleibt kenntlich.

Der öffentliche Schlusspunkt ist die Preisvergabe am 8. Januar in Brüssel. Die Auswahl legt keine einheitlichen Preise oder Liefertermine für Deutschland und andere Märkte fest. Bis zum Ergebnis tragen alle sieben Modelle denselben Wettbewerbsstatus: Finalist, ohne bereits feststehende Platzierung.

Foto: Renault Twingo als einer der sieben Finalisten. Quelle Renault, offizielles Pressebild vom 30. Oktober zur redaktionellen Verwendung. Das eingeblendete Zeichen bezeichnet die Finalteilnahme und keinen bereits gewonnenen Titel.

Quellen