Der Michelotto Gruppo 4 Tributo ist ein neu entwickelter Zweisitzer von AC Motorsport und Michelotto. Das Fahrzeug erinnert an den Ferrari 308 GTB, der vor 50 Jahren die Homologation für die FIA-Gruppe 4 erhielt. Vorgestellt wurde das Auto in Padua. Zu den veröffentlichten Daten gehören ein 3,4-Liter-V8 ohne Aufladung, 380 PS, Hinterradantrieb, ein manuelles Fünfganggetriebe und ein angegebenes Gewicht von 950 kg.

Bild aus der Motor1-Galerie, fotografiert beziehungsweise bereitgestellt von AC Motorsport. Die Wiederverwendungsrechte wurden nicht unabhängig geprüft.
Die Verbindung zum Ferrari 308 GTB
Die historische Grundlage des Namens lässt sich in der FIA Historic Database nachvollziehen. Dort ist der Ferrari 308 GTB mit der Homologationsnummer 648 für die Gruppe 4 und dem Datum 2. November 1976 aufgeführt. Die FIA nennt acht Zylinder, 2.927 cm³ Hubraum und Hinterradantrieb. Die Gruppe-4-Homologation endete am 1. Januar 1982.
Michelotto arbeitete an Wettbewerbsversionen des Ferrari 308 GTB. Der neue Tributo greift dieses Kapitel auf, übernimmt aber nicht einfach die Karosserie oder das Fahrgestell eines historischen Ferrari. Stattdessen besitzt er einen eigenen Rohrrahmen, einen integrierten Überrollschutz und Karosserieelemente aus Verbundwerkstoff. Technisch handelt es sich daher um ein neues Fahrzeug mit historischem Vorbild und nicht um einen gewöhnlichen Restomod.
Die verfügbaren offiziellen Informationen bestätigen außerdem keine Beteiligung von Ferrari an der aktuellen Entwicklung. Die belegte Verbindung verläuft über die Motorsportgeschichte von Michelotto, den 308 GTB und die damalige Gruppe-4-Homologation. Das Design des Tributo nutzt diese Referenzen, ohne eine Ferrari-Fortsetzung zu behaupten.
Ein hochdrehender V8 ohne Turbo
Der 3.400 cm³ große V8 sitzt quer hinter der Fahrgastzelle. Michelotto nennt eine Spitzenleistung von 380 PS bei 8.250 U/min. Zur technischen Beschreibung gehören ein Leichtmetallblock, Leichtmetallzylinderköpfe, vier obenliegende Nockenwellen und zwei Ventile pro Zylinder. Die elektronische Einspritzung ist für 98-Oktan-Benzin abgestimmt.
Offizielle Angaben zur Beschleunigung von 0 auf 100 km/h oder zur Höchstgeschwindigkeit liegen in den geprüften Quellen nicht vor. Das geringe Gewicht und die Leistung lassen einen günstigen Wert beim Leistungsgewicht erwarten, ersetzen aber keine Messung oder Homologationsangabe. Deshalb sollten diese Werte nicht aus anderen Spezifikationen abgeleitet werden.

Seitenansicht aus derselben AC-Motorsport-Galerie.
Die Kraft gelangt über ein manuelles Fünfganggetriebe mit Dogleg-Schaltung an die Hinterräder. Bei dieser Anordnung liegt der erste Gang unterhalb des Rückwärtsgangs, während die höheren Gänge in einer geraden Schaltgasse liegen. Italienische Berichte erwähnen mehrere mögliche Übersetzungen. Eine vollständige Konfiguration für jedes Kundenfahrzeug wurde jedoch noch nicht veröffentlicht.
Rohrrahmen und Verbundkarosserie
Der Rahmen besteht aus Rohrelementen mit elliptischen Querschnitten und Verbundplatten. Der Überrollschutz ist in die Struktur integriert. Die Karosserie behält die Proportionen einer Mittelmotor-Berninette: eine niedrige Front, eine nach hinten versetzte Kabine, breite Kotflügel und Lufteinlässe hinter den Türen. Die Beleuchtung und die vier runden Rückleuchten erinnern an den Rallye-308, kopieren ihn aber nicht vollständig.
Die Bilder zeigen weit öffnende Front- und Heckbereiche, die den Zugang zur Mechanik erleichtern. Die Angabe von 950 kg sollte zusammen mit den Messbedingungen gelesen werden. Berichte beziehen sich auf Flüssigkeiten an Bord, aber nicht auf Kraftstoff. Das ist nicht automatisch identisch mit dem Leergewicht oder dem zulässigen Gewicht einer Straßenhomologation in jedem Land.
Eine vollständige öffentliche Datenkarte mit den Außenmaßen, dem Gepäckraum und allen Ausstattungen liegt noch nicht vor. Bei einem Fahrzeug aus einer sehr kleinen Serie sind diese Angaben für mögliche Käufer ebenso wichtig wie die Motorleistung.
Fahrwerk, Bremsen und Reifen
Das Fahrwerk nutzt an beiden Achsen unabhängige Aufhängungen mit doppelten Querlenkern, einstellbaren Dämpfern und einstellbaren Stabilisatoren. Die Bremsanlage arbeitet mit Vierkolben-Sätteln und innenbelüfteten Scheiben. Die genannten Maße betragen 345 x 28 mm an der Vorderachse und 328 x 28 mm an der Hinterachse. Eine direkte Zahnstangenlenkung soll den Kontakt zu den Vorderrädern erhalten.
Leichtmetallräder mit Pirelli-Trofeo-RS-Reifen gehören zum beschriebenen Konzept. Diese Reifen sind für hohe Belastungen ausgelegt, liefern aber keinen Beleg für eine bestimmte Rundenzeit. Angaben zur Straßenzulassung, zu Geräuschwerten, Wartungsintervallen und Ersatzteilen fehlen weiterhin.

Heckansicht aus der Motor1-Galerie, mit Bildnachweis AC Motorsport.
Ein auf den Fahrer ausgerichteter Innenraum
Der Innenraum hat zwei Sitze mit Verbundschalen, Alcantara-Bezug, Vierpunktgurte, ein Dreispeichenlenkrad und eine digitale Instrumentenanzeige. Die veröffentlichten Bilder zeigen viele physische Bedienelemente. Ein großes zentrales Infotainment-Display ist dort nicht zu sehen.

Innenraumbild aus der Motor1-Galerie, mit Bildnachweis AC Motorsport. Die Wiederverwendungsrechte wurden nicht unabhängig geprüft.
Diese Auslegung passt zu einem Fahrerauto, macht den Wagen aber nicht zu einem klassischen Reisefahrzeug. Angaben zum Gepäckraum, zur Geräuschdämmung, zu Fahrerassistenzsystemen und zum Komfort auf langen Strecken sind nicht veröffentlicht. Der technische Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Fahrer, Motor und Fahrwerk.
Preis und Stückzahl
Michelotto hat in den geprüften offiziellen Quellen keinen endgültigen Preis, keine verbindliche Stückzahl und keinen Lieferplan genannt. Einige Medienberichte nennen weniger als 50 Fahrzeuge und einen Preis von mehr als 450.000 Euro. Diese Zahlen sind jedoch nicht direkt vom Hersteller bestätigt und müssen als vorläufige Presseangaben behandelt werden.
Der Gruppo 4 Tributo bleibt damit zunächst ein Sportwagen aus einer sehr kleinen Serie: V8-Saugmotor, Handschaltung, Hinterradantrieb und Verbundkarosserie. Die historische Verbindung zum FIA-homologierten Ferrari 308 GTB ist klar, die technische Eigenständigkeit des neuen Projekts ebenfalls. Erst Angaben zu Zulassung, Preis und Produktion werden zeigen, wie weit das Auto über die Präsentation in Padua hinaus verfügbar sein wird.



