Foto: Porsche AG / Porsche Newsroom. Bild zur redaktionellen Nutzung.
Porsche patentiert Doppelkupplungsgetriebe mit simuliertem Handschaltmodus
Porsche hat das Patent WO2026189903A1 für ein automatisches Doppelkupplungsgetriebe eingereicht, das drei unterschiedliche Bedienkonzepte ermöglichen soll: einen normalen Automatikmodus, sequentielles Schalten und einen simulierten manuellen Modus. Vorgesehen sind ein drittes Pedal mit Kupplungsfunktion und ein Wählhebel, der sich ähnlich wie ein klassischer Schalthebel in einer H-Schaltkulisse bewegen könnte. Das Patent ist jedoch noch keine Ankündigung eines Serienfahrzeugs.
Ein Getriebe mit drei Bedienkonzepten
Die Porsche AG wird als Anmelderin des Patents genannt. Die Veröffentlichung erfolgte am 17. September 2026. Ausgangspunkt ist ein automatisiertes Doppelkupplungsgetriebe, wie es Porsche unter dem Namen PDK einsetzt. Die Idee soll eine bekannte Lücke schließen: Automatikgetriebe bieten hohen Komfort und schnelle Gangwechsel, doch manche Fahrer vermissen die körperliche Beteiligung einer Kupplung und eines klassischen Schalthebels.
Bei der beschriebenen Lösung wird das Getriebe nicht mechanisch in ein herkömmliches Handschaltgetriebe verwandelt. Die Kupplungen, Schaltgabeln und internen Stellglieder bleiben elektronisch beziehungsweise hydraulisch angesteuert. Sensoren erfassen die Position des Wählhebels, die Betätigung des zusätzlichen Pedals und die Befehle über Schaltwippen. Ein Steuergerät entscheidet anschließend, wie die automatische Getriebeeinheit reagieren soll.
Damit könnte der Fahrer je nach Situation unterschiedliche Charakteristika wählen. Im Stadtverkehr wäre die automatische Bedienung naheliegend. Auf einer kurvigen Strecke könnten die Schaltwippen eingesetzt werden. Der manuelle Simulationsmodus würde zusätzlich die Bewegungen und den Ablauf eines klassischen Handschalters nachbilden.
Der normale Automatikmodus
In der ersten Konfiguration arbeitet der Wählhebel wie bei einem üblichen Automatikgetriebe. Der Fahrer wählt Vorwärtsfahrt, Rückwärtsgang oder Neutralstellung und bedient Gas und Bremse. Die Elektronik entscheidet, welcher Gang eingelegt wird und wie die beiden Kupplungen zusammenarbeiten.
Das zusätzliche Pedal kann auch in diesem Modus eine Funktion haben. Nach der Beschreibung des Patents kann es die Kraftübertragung öffnen oder schließen, ohne dass der Fahrer damit jeden einzelnen Gang auswählen muss. Dadurch bleibt der Komfort der Automatik erhalten, während die gleiche Pedalhardware auch in den anderen Modi verwendet werden kann.
Porsche beschreibt die PDK grundsätzlich als Getriebe, das automatisch schaltet, aber auch über Schaltwippen oder den mittleren Wählhebel bedient werden kann. Die Besonderheit der neuen Patentanmeldung liegt deshalb weniger in der Möglichkeit manueller Gangbefehle als in der zusätzlichen, körperlich nachvollziehbaren Schnittstelle.
Der sequenzielle Modus
In der zweiten Konfiguration kann der Fahrer die Gänge über die Schaltwippen oder den Wählhebel hoch- und herunterschalten. Dieses Prinzip ist bei sportlichen Automatikgetrieben längst bekannt. In dem Patent wird es jedoch als eine von drei Bedienarten in einem gemeinsamen System beschrieben.
Das Steuergerät kontrolliert weiterhin Drehzahlen, Kupplungsdruck, Schaltzeiten und Schutzfunktionen. Der Fahrer gibt die Richtung des Gangwechsels vor, die eigentliche Ausführung übernimmt die automatisierte Getriebeeinheit. So können Überdrehzahlen und andere für das Getriebe ungünstige Zustände weiterhin elektronisch verhindert werden.
Die Patentschrift beschreibt auch eine mögliche Logik, bei der ein Befehl über eine Schaltwippe vorübergehend den sequenziellen Modus aktiviert. Danach könnte das System wieder in die Automatik zurückkehren. Das ist eine technische Möglichkeit aus dem Patent und keine bestätigte Abstimmung für ein kommendes Porsche-Modell.
In dieser zweiten Konfiguration arbeitet das dritte Pedal noch nicht zwangsläufig wie eine mechanische Kupplung. Es kann lediglich das Öffnen oder Schließen der Kraftübertragung anfordern, während die internen Kupplungen weiterhin elektronisch geregelt werden.
Der simulierte manuelle Modus
Die dritte Variante ist der auffälligste Teil des Konzepts. Der Wählhebel soll eine H-ähnliche Schaltgasse erhalten, und das dritte Pedal übernimmt aus Sicht des Fahrers die Aufgabe eines Kupplungspedals. Wird es betätigt, kann das System die Kraftübertragung trennen. Die Bewegung des Hebels wird anschließend als gewünschter Gang erkannt.
Die Stellglieder führen den Gangwechsel innerhalb des automatischen Doppelkupplungsgetriebes aus. Der Fahrer erlebt somit die typischen Handlungen einer manuellen Schaltung, ohne dass der Hebel zwingend mechanisch mit den Schaltgabeln und Synchronringen verbunden ist. Die Befehle werden elektronisch erfasst und von der Getriebesoftware umgesetzt.
Deshalb ist die Bezeichnung „simuliert manuell“ entscheidend. Porsche beschreibt kein gewöhnliches Handschaltgetriebe mit einer nachträglich automatisierten Kupplung, sondern eine elektronische Benutzeroberfläche für ein automatisiertes Getriebe. Das System könnte die Reaktion auf Pedal- und Hebelbewegungen kontrollieren und gleichzeitig die Schutzfunktionen der automatischen Einheit behalten.
Anwendung bei Verbrennern und Hybriden
Das Patent kann bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor eingesetzt werden. Außerdem wird eine mögliche Nutzung in Hybridfahrzeugen erwähnt. Daraus lässt sich aber kein konkretes Serienprojekt ableiten. Bei einem Hybridmodell müssten Bauraum, Kühlung, Motorsteuerung und die Übergänge zwischen Verbrennungsmotor und Elektromaschine berücksichtigt werden.
Für sportliche Fahrzeuge könnte ein solches System interessant sein, wenn im Alltag Komfort und im sportlichen Einsatz mehr Beteiligung gefragt sind. Der Preis dafür wäre zusätzliche Hardware und Software: Sensoren, Stellglieder, Sicherheitsstrategien und eine komplexe Abstimmung. Auch Gewicht, Produktionskosten, Verschleiß und Wartungsaufwand müssten vor einer Serienentscheidung geprüft werden.
Nicht mit E-Shift verwechseln
Das neue Patent ist nicht identisch mit E-Shift, das Porsche 2026 für den Taycan vorgestellt hat. E-Shift simuliert in einem Elektroauto die Charakteristik eines achtstufigen PDK. Virtuelle Gangwechsel, eine kurze Veränderung der Beschleunigungswirkung, Klang und haptische Rückmeldung sollen den Ablauf einer Schaltung erlebbarer machen.
Der Taycan besitzt weiterhin sein elektrisches Antriebssystem mit einem echten Zweiganggetriebe an der Hinterachse. Das Patent WO2026189903A1 bezieht sich dagegen auf ein Doppelkupplungsgetriebe mit konfigurierbarem Wählhebel und zusätzlichem Pedal. Beide Ansätze nutzen Software, um die Interaktion des Fahrers zu erweitern, technisch handelt es sich aber um unterschiedliche Lösungen.
Ein Patent ist noch kein Serienversprechen
Eine Patentanmeldung schützt eine technische Idee und kann mehrere Ausführungsvarianten offenlegen. Sie bestätigt weder ein bestimmtes Modell noch einen Lieferanten, eine Zulassung, einen Preis oder einen Marktstart. Porsche kann einzelne Elemente weiterentwickeln, verändern oder nicht in ein Kundenfahrzeug übernehmen.
Die belastbare Aussage lautet daher: Porsche untersucht eine Möglichkeit, die Beteiligung eines Handschalters mit den Vorteilen eines automatisierten Doppelkupplungsgetriebes zu verbinden. Das Patent nennt drei Modi, darunter eine Variante mit drittem Pedal und H-Schaltbewegung. Ein Serien-Porsche mit dieser Technik wurde bisher nicht angekündigt.



