Renault Group hat im dritten Quartal 2026 weltweit 497.799 Fahrzeuge verkauft. Das entspricht einem Rückgang von 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Quartalsumsatz stieg dagegen um 1,5 Prozent auf 11,596 Milliarden Euro. Damit zeigt die Bilanz ein gemischtes Bild: Der Absatz war niedriger, der Konzern konnte den Umsatz jedoch durch den Modellmix, die Finanzierungssparte und die Entwicklung der einzelnen Vertriebskanäle stabilisieren.
Der Automobilumsatz bleibt nahezu unverändert
Das eigentliche Automobilgeschäft erzielte im dritten Quartal einen Umsatz von 9,835 Milliarden Euro. Nominal lag dieser Wert praktisch auf dem Niveau des Vorjahres; bei konstanten Wechselkursen ergab sich ein Rückgang von 0,2 Prozent. Der Rückgang der Stückzahlen wurde damit nicht vollständig in einen Umsatzrückgang übersetzt. Renault Group nennt als wichtigen Faktor den Verkaufsmix sowie die unterschiedliche Entwicklung der Marken und Absatzkanäle.
Der Finanzdienstleister Mobilize Financial Services entwickelte sich deutlich stärker. Sein Umsatz lag bei rund 1,8 Milliarden Euro und damit 11 Prozent über dem Vorjahreswert. Für Käufer und Händler ist diese Sparte relevant, weil Finanzierungs- und Leasingangebote die tatsächliche Zugänglichkeit neuer Fahrzeuge beeinflussen. Das gute Ergebnis bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Fahrzeuge selbst günstiger geworden sind. Es beschreibt zunächst die Entwicklung des Finanzgeschäfts innerhalb des Konzerns.
Renault wächst in Europa, Dacia verliert an Volumen
Die drei Konzernmarken entwickelten sich im dritten Quartal sehr unterschiedlich. Renault verkaufte 349.901 Fahrzeuge, 2,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dacia kam auf 144.175 Fahrzeuge und lag damit 12,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Alpine blieb mit 3.723 Fahrzeugen eine kleine Marke, wuchs aber um 58,4 Prozent.
Für die ersten neun Monate ergibt sich ein differenzierteres Bild. Renault verkaufte 1.178.946 Fahrzeuge und lag damit 1,1 Prozent über dem Vorjahr. Dacia kam auf 471.007 Einheiten, ein Rückgang von 9,7 Prozent. Alpine erreichte 12.269 Fahrzeuge und wuchs um 65,6 Prozent. Der Konzernabsatz lag nach neun Monaten bei 1.662.222 Fahrzeugen, 2,2 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Europa bleibt dabei der wichtigste Stabilitätsfaktor. Der Renault-Absatz in Europa stieg in den ersten neun Monaten um 3,1 Prozent. In Deutschland wuchs die Marke um 8,6 Prozent, im Vereinigten Königreich um 3,8 Prozent und in Dänemark um 24,2 Prozent. In Nordeuropa insgesamt betrug das Plus 6 Prozent. Renault Group erklärte außerdem, dass die Verkäufe an europäische Privatkunden im dritten Quartal um 5 Prozent zulegten. Ihr Anteil am europäischen Absatz stieg um 4,6 Prozentpunkte auf 64,8 Prozent.
Dieser Anstieg ist deshalb wichtig, weil die kurzfristige Vermietung und Vorführwagen schwächer ausfielen. Die Verkäufe in diesem Kanal sanken um 18 Prozent. Ein höherer Privatkundenanteil kann die Qualität des Absatzes verbessern, sagt aber allein noch nichts über die Profitabilität jedes einzelnen Modells aus.
Elektroautos wachsen trotz sinkendem Gesamtabsatz
Die stärkste Wachstumszahl des Quartals kommt aus dem Elektrogeschäft. Die Verkäufe elektrifizierter Fahrzeuge stiegen im dritten Quartal um 84,7 Prozent. Bei den Pkw machten sie 25,8 Prozent des Absatzes aus. Für die ersten neun Monate nennt Renault Group einen Anteil von 20,9 Prozent am Pkw-Absatz des Konzerns.
Auch die Marke Renault entwickelte sich bei Elektrofahrzeugen positiv. Ihre Elektroverkäufe stiegen in Europa in den ersten neun Monaten um 75,2 Prozent. Am Ende des dritten Quartals lag der Anteil elektrifizierter Renault-Pkw in Europa bei 68 Prozent. In dieser Zahl sind reine Elektrofahrzeuge und weitere elektrifizierte Antriebe zusammengefasst; sie ist deshalb nicht mit einem reinen BEV-Anteil gleichzusetzen.
Die Entwicklung zeigt den aktuellen Zielkonflikt des Konzerns: Elektroautos wachsen schnell, ersetzen aber noch nicht automatisch das gesamte Volumen, das durch schwächere Modellreihen oder Märkte verloren geht. Für Kunden bedeutet das eine größere Auswahl an elektrifizierten Renault-Modellen, während die endgültige Verfügbarkeit, Ausstattung und Preisgestaltung vom jeweiligen Land und Händler abhängen.
Rumänien bleibt ein wichtiger Markt
Rumänien gehört laut der offiziellen Konzernübersicht zu den 15 wichtigsten Märkten von Renault Group. In den ersten neun Monaten wurden dort 27.175 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge der Konzernmarken verkauft. Der gemeinsame Marktanteil lag bei 24,9 Prozent. Diese Zahl umfasst Renault, Dacia und Alpine sowie Pkw und leichte Nutzfahrzeuge; sie ist daher nicht mit dem Absatz einer einzelnen Marke gleichzusetzen.
Für den rumänischen Markt ist besonders die Entwicklung bei Dacia relevant. Die Marke bleibt ein zentraler Bestandteil des Konzerns, verzeichnete im dritten Quartal aber den stärksten prozentualen Rückgang unter den drei Marken. Gleichzeitig erweitert Dacia ihr elektrifiziertes Angebot. Im Juli 2026 kam der Sandero Hybrid 155 hinzu. Das Modellangebot und die Nachfrage nach elektrifizierten Varianten werden damit zu wichtigen Faktoren für die nächsten Quartale.
Neue Modelle sollen den zweiten Teil des Jahres stützen
Renault Group bekräftigte seine Finanzziele für 2026. Die operative Konzernmarge soll bei rund 5,5 Prozent des Umsatzes liegen, der operative Free Cashflow im Automobilgeschäft bei etwa einer Milliarde Euro. Das Unternehmen erwartet außerdem, dass die Fahrzeugbestände bis zum Jahresende am unteren Ende der Zielspanne von 525.000 bis 550.000 Einheiten liegen werden. Ende September waren es insgesamt 532.000 Fahrzeuge, davon 312.000 bei unabhängigen Händlern und 220.000 im Konzernnetz.
Für die zweite Jahreshälfte verweist Renault Group unter anderem auf den neuen Megane E-Tech Electric, den elektrischen Trafic Van E-Tech, den Duster E-Tech Hybrid, den Sandero Hybrid, den neuen Spring, den Striker und den Alpine A290. Diese Modelle sollen das Angebot verbreitern und den höheren Elektroanteil in mehr Volumen umsetzen. Ob das gelingt, hängt weiterhin von der Nachfrage in den einzelnen Märkten, den Lieferketten und der Entwicklung des Privatkundengeschäfts ab.
Die Quartalszahlen lassen sich daher nicht auf die Aussage „weniger Autos, aber mehr Umsatz“ verkürzen. Renault Group verkauft insgesamt weniger Fahrzeuge, wächst jedoch in mehreren europäischen Kernmärkten, steigert den Elektroabsatz deutlich und hält den Automobilumsatz nahezu stabil. Die entscheidende Aufgabe für die kommenden Quartale besteht darin, diesen Mix in nachhaltiges Volumen und eine weiterhin kontrollierte Lagerentwicklung zu übersetzen.



