Offizielles Rivian-Produktbild von der Technikseite des Herstellers, redaktionell verwendet.

Rivian ruft in den USA 98.828 Elektrofahrzeuge der Baureihen R1S, R1T und R2 zurück. Unter seltenen, genau definierten Umständen kann ein Hinweis zur Stabilitätskontrolle beim Einlegen des Rückwärtsgangs über dem Bild der Rückfahrkamera liegen. Die Abhilfe besteht aus einem kostenlosen Software-Update, das drahtlos auf das Fahrzeug übertragen wird.

Bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde National Highway Traffic Safety Administration läuft die Aktion unter der Nummer 26V597, bei Rivian unter FSAM-1866. Betroffen sind 62.259 R1S, 34.088 R1T und 2.481 R2. Zum Zeitpunkt der Meldung am 16. September 2026 waren dem Hersteller nach eigenen Angaben in keinem Markt Kundenbeschwerden, Unfälle, Verletzte oder Todesfälle im Zusammenhang mit diesem Zustand bekannt.

Welche Bedienfolge den Fehler auslösen kann

Das Kamerabild fällt nicht bei jedem Einlegen des Rückwärtsgangs aus. Der offizielle Part-573-Bericht beschreibt eine ungewöhnliche Abfolge. Zunächst schaltet der Fahrer die Stabilitätskontrolle in einem Fahrmodus aus, der dies erlaubt. Anschließend verlässt er das Fahrzeug für eine gewisse Zeit und kehrt zurück. Das Zentraldisplay kann dann darauf hinweisen, dass die Stabilitätskontrolle weiterhin deaktiviert ist, und einen Wechsel in einen Modus mit aktivem System anbieten.

Wird der Rückwärtsgang eingelegt, ohne auf diese Abfrage zu reagieren, kann das Fenster zum Fahrmodus die Kameraansicht überlagern. Sobald sich das Fahrzeug bewegt und die Geschwindigkeit nicht mehr null beträgt, erscheint das Rückfahrbild wieder. Es lässt sich außerdem durch die manuelle Auswahl der Kameraseite aufrufen.

Die Kamera selbst kann also funktionieren und ein Bild liefern. Die Benutzerschnittstelle zeichnet lediglich ein anderes Element darüber. Deshalb ist weder ein neuer Sensor noch ein Display- oder Kabeltausch vorgesehen; Rivian korrigiert die Reihenfolge der Bildschirminhalte per Software.

Dass die Ansicht mit Beginn der Bewegung zurückkehrt, beseitigt die Regelabweichung nicht. Der US-Standard FMVSS 111 verlangt das Rückfahrbild bereits zu Beginn eines Rückwärtsmanövers. Genau vor dem Anfahren kann sich ein Kind, ein Tier oder ein niedriger Gegenstand unmittelbar hinter dem Fahrzeug befinden. Laut NHTSA kann die eingeschränkte Sicht das Unfallrisiko erhöhen.

Betroffene Modelljahre und Produktionszeiträume

Den größten Anteil stellt der R1S. Der Rückruf umfasst bestimmte Fahrzeuge der Modelljahre 2022 bis 2027, die zwischen dem 30. März 2022 und dem 6. August 2026 gebaut wurden. Beim R1T geht es um ausgewählte Exemplare der Modelljahre 2022 bis 2026 aus der Produktion vom 23. August 2021 bis zum 6. Juli 2026.

Hinzu kommen 2.481 R2 des Modelljahres 2027 mit Baudaten vom 23. April bis zum 10. August 2026. Nach Aussage von Rivian erhalten alle nach dem 10. August gebauten Neufahrzeuge bereits ab Werk die korrigierte Software.

Aus Modell und Modelljahr allein lässt sich nicht ableiten, ob ein bestimmtes Auto zur Aktion gehört. Rivian hat die Population anhand der Fertigungsunterlagen bestimmt; entscheidend ist die Fahrgestellnummer. Laut Rückrufplan sollen die betroffenen VINs ab dem 9. November 2026 in der NHTSA-Datenbank auffindbar sein. Bis zu diesem Tag will Rivian auch die Halteranschreiben versenden.

Der NHTSA-Bericht betrifft den US-Markt. Bei einem privat nach Deutschland oder in ein anderes europäisches Land importierten Rivian sollten Fahrgestellnummer und Softwarestand direkt geprüft werden. Die amerikanische Modelljahrliste bestätigt nicht automatisch einen gleichartigen Rückruf in Europa.

Welche Softwarestände genannt werden

Als betroffene Komponente führt das Dokument verschiedene Softwareversionen auf. Beim R1S und R1T geht es um Stände vor 2026.23. Beim R2 betrifft die Definition Versionen vor 2026.31.40. Die neue Software verhindert, dass der Hinweis zur Stabilitätskontrolle die Kameraansicht während des vorgeschriebenen Zeitraums verdeckt.

Das OTA-Update ist kostenlos und erfordert für diese Maßnahme keinen Austausch von Hardware. Rivian fordert Halter auf, die jüngste verfügbare Version zu installieren. Die reine Verfügbarkeit reicht allerdings nicht: Das Paket muss das Fahrzeug erreichen und die Installation muss abgeschlossen sein. Ein länger offline abgestelltes Auto oder ein aufgeschobenes Update kann noch offen sein.

Am 16. September hatten 95 Prozent der betroffenen R1 und 96 Prozent der R2 die Korrektur bereits installiert. Insgesamt lag die Quote damit über 95 Prozent, noch bevor die formellen Anschreiben verschickt wurden. Diese Werte beschreiben die von Rivian zum Meldedatum beobachtete Flotte; sie belegen nicht den Status einer einzelnen Fahrgestellnummer.

Im internen Test entdeckt

Rivian fand das Verhalten bei eigenen Erprobungen. Von Juli bis September 2026 untersuchte das Unternehmen die nötige Bedienfolge, grenzte die potenziell betroffenen Fahrzeuge ein und bewertete die Anforderungen des FMVSS 111. Am 10. September kam Rivian zu dem Schluss, dass eine mögliche Nichtkonformität nicht ausgeschlossen werden konnte. Die formelle Meldung folgte sechs Tage später.

Dass bislang kein Unfall bekannt ist, macht die Korrektur nicht entbehrlich. Bei einer Konformitätsaktion zählt, ob das Fahrzeug die technische Vorgabe erfüllt, nicht erst die Zahl bereits eingetretener Schäden. In diesem Fall kann die Ansicht gerade in dem Moment fehlen, in dem der Fahrer die Rückwärtsfahrt vorbereitet.

Bis zur bestätigten Installation sollte ein Fahrer nicht losfahren, wenn ein Hinweis das Kamerabild verdeckt. Er kann die Abfrage beantworten oder die Kameraseite öffnen und muss den Raum hinter dem Fahrzeug zusätzlich direkt sowie über die Spiegel kontrollieren. Kameras, Rundumsicht und Parksensoren unterstützen die Bedienung, ersetzen aber nicht die Beobachtung durch den Fahrer.

Quellen