Kameras und Radare ermöglichen es dem Auto, Markierungen, Abstand und Hindernisse zu verfolgen. Die Wirksamkeit dieser Systeme hängt auch davon ab, wie Fahrer sie verstehen und nutzen. Illustratives Bild
Jeder fünfte Fahrer sagt, er nutze die automatische Notbremsung nicht. Warum ADAS-Systeme deaktiviert werden
Neue Autos haben immer mehr Systeme, die warnen, bremsen oder die Lenkung korrigieren können, aber ein Teil der Fahrer entscheidet sich, sie nicht zu nutzen. Eine Umfrage im Vereinigten Königreich zeigt, dass 21,3 % der Befragten, deren Autos eine automatische Notbremsung haben, angeben, diese Funktion zu meiden.
Der Anteil ist bei der Spurhalteassistenz ähnlich, die fast 18 % der befragten Fahrer nach eigenen Angaben nicht nutzen. Den adaptiven Tempomat meiden 25,9 % derjenigen, die ihn haben, weitere 7 % sagen, sie wüssten nicht, wie er funktioniert.
Die Ergebnisse belegen nicht, dass jeder fünfte rumänische Fahrer seine Sicherheitssysteme deaktiviert. Die Studie hat Censuswide im Auftrag der britischen Händlergruppe Dick Lovett mit einer Stichprobe von 1.350 Fahrern im Vereinigten Königreich im Sommer 2026 durchgeführt. Die Antworten sind Aussagen der Teilnehmenden, keine aus den Fahrzeugen ausgelesenen Daten.
Welche Systeme am häufigsten gemieden werden
Die Umfrage erfasste sowohl Sicherheits- und Assistenzausstattung als auch Komfortfunktionen. Unter den für das Fahren relevanten Systemen sind die wichtigsten Ergebnisse:
- 25,9 % der Fahrer mit adaptivem Tempomat nutzen ihn nicht;
- 7 % wissen nicht, wie der adaptive Tempomat funktioniert;
- 21,3 % geben an, die automatische Notbremsung nicht zu nutzen;
- fast 18 % meiden die Spurhalteassistenz;
- 17,1 % nutzen das Head-up-Display mit erweiterter Realität nicht, 7 % wissen nicht, wie man es bedient.
Die Formulierung der Umfrage muss vorsichtig gelesen werden. Einige Systeme, insbesondere die automatische Notbremsung, sind standardmäßig aktiv und werden nicht über einen täglichen Befehl „genutzt“. Je nach Modell kann der Fahrer sie vorübergehend abschalten, die Empfindlichkeit senken oder glauben, sie seien deaktiviert, obwohl eine minimale Schutzfunktion aktiv bleibt.
Daher beschreibt die 21,3 % das, was die Befragten zur Nutzung sagten, nicht die überprüfte Zahl von Autos, die mit ausgeschaltetem AEB unterwegs sind.
Warum Fahrer den Aus-Knopf drücken
Die Teilnehmenden nannten als Hauptproblem Eingriffe, die als zu aggressiv oder unpassend wahrgenommen werden. Diese Unzufriedenheit tritt vor allem bei Systemen auf, die die Lenkung ändern, bremsen oder wiederholt hörbare Warnungen ausgeben.
Die Spurassistenz kann falsch eingreifen, wenn Markierungen verwischt sind, die Fahrbahn enger wird oder der Fahrer einem Schlagloch ohne Blinken ausweicht. Eine Geschwindigkeitswarnung kann ein veraltetes Kartenlimit nutzen oder ein Schild für eine Seitenstraße falsch lesen. Die Aufmerksamkeitsüberwachung kann einen Blick in die Spiegel oder auf eine Kreuzung mit Unachtsamkeit verwechseln.
In Rumänien werden diese Situationen durch unvollständige Markierungen, verdeckte Schilder, Baustellen und häufige Spuränderungen verstärkt. Die Reaktion des Fahrers ist nachvollziehbar, wenn das System Fehlalarme erzeugt, aber die dauerhafte Deaktivierung entfernt auch Eingriffe, die einen echten Unfall verhindern könnten.
Eine weitere Ursache ist die Bedienung. Wenn die Empfindlichkeit nicht einstellbar ist oder die Funktion in mehreren Menüs versteckt liegt, hat der Fahrer nur zwei Wahlmöglichkeiten: alle Warnungen hinnehmen oder das System ausschalten. Ein klarer Knopf und richtig erklärte Einstellungen können den Unterschied zwischen Nutzung und Ablehnung ausmachen.
Was jedes System leistet und was es nicht kann
Die automatische Notbremsung, bekannt als AEB, beobachtet die Straße mit der Kamera und in manchen Fällen mit Radar. Erkennt sie ein Kollisionsrisiko und der Fahrer reagiert nicht, kann sie bremsen, um den Aufprall zu vermeiden oder seine Schwere zu verringern. Sie garantiert keinen Stillstand in jeder Situation; die Wirksamkeit hängt von Geschwindigkeit, Wetter, Sicht und der Art des Hindernisses ab.
Die Spurhalteassistenz warnt oder korrigiert die Lenkung, wenn das Auto unfreiwillig die Spur verlässt. Sie ist kein Autopilot und kann Markierungen bei Regen, Schnee, starkem Licht oder auf schlecht unterhaltenen Straßen verlieren.
Der adaptive Tempomat hält Geschwindigkeit und Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Er ist vor allem eine Komfortfunktion und entbindet den Fahrer nicht von der Verkehrsüberwachung. Manche Systeme können das Auto im Stau anhalten und wieder anfahren, andere deaktivieren sich unter einer bestimmten Geschwindigkeit.
Diese Funktionen dürfen nicht gleichgesetzt werden. Das Abschalten des adaptiven Tempomats bedeutet Verzicht auf Komfort, das Abschalten von AEB kann in einer kritischen Situation einen zusätzlichen Schutz entfernen.
Warum das Thema für Fahrer in Rumänien relevant ist
Die europäische Verordnung über die allgemeine Sicherheit von Fahrzeugen gilt für alle neuen in der Europäischen Union verkauften Pkw ab dem 7. Juli 2024. Zur Pflichtausstattung gehören intelligente Geschwindigkeitsassistenz, Müdigkeitswarnung, Hinderniserkennung beim Rückwärtsfahren und das Signal für die Notbremsung.
Für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge sind außerdem die erweiterte automatische Notbremsung und das Notfall-Spurhaltesystem vorgeschrieben. Dieselben Regeln gelten für neue in Rumänien verkaufte Autos.
Die Gesetzgebung erlaubt, bestimmte Funktionen vorübergehend auszuschalten. Die intelligente Geschwindigkeitsassistenz kann zum Beispiel deaktiviert werden, muss aber bei jedem Start des Autos in den Normalmodus zurückkehren. Daher rührt das Ritual mancher Fahrer, direkt nach dem Start den Aus-Knopf oder das Menü zu suchen.
Die Europäische Kommission schätzt, dass das Paket der Pflichtsysteme bis 2038 dazu beitragen kann, mehr als 25.000 Leben zu retten und mindestens 140.000 schwere Verletzungen zu vermeiden. Die Schätzung betrifft die kombinierte Wirkung der Maßnahmen, nicht die garantierte Leistung jedes Systems auf jeder Straße.
Deaktivierung oder Werkstatt? Wie man ein echtes Problem erkennt
Ein System, das oft ohne Grund eingreift, sollte nicht einfach ausgeschaltet und vergessen werden. Das Verhalten kann auf eine verschmutzte Kamera, ein versetztes Radar, eine Windschutzscheibe ohne Kalibrierung, eine falsch reparierte Stoßstange oder veraltete Software hinweisen.
Der Fahrer kann einige einfache Prüfungen vornehmen:
- den Kamerabereich der Windschutzscheibe und die Sensoren in den Stoßfängern reinigen;
- das Handbuch zu Grenzen und Einstellungen des Systems lesen;
- prüfen, ob Software-Updates oder Servicekampagnen vorliegen;
- nach Scheibenwechsel oder Stoßfängerreparatur eine Diagnose und eine Kalibrierprüfung verlangen;
- eine geringere Empfindlichkeit wählen, wenn der Hersteller diese Option anbietet.
Auch der Zeitpunkt der Einstellung zählt. Die Suche nach einer Funktion auf dem Bildschirm während der Fahrt kann ein größeres Risiko schaffen als die Warnung, die der Fahrer abstellen will. Einstellungen sollten vor der Abfahrt vorgenommen werden.
Das Problem liegt nicht nur beim Fahrer
Die Umfrageergebnisse zeigen weder, dass die Technik nutzlos ist, noch dass Nutzer einfach nachlässig sind. Sie zeigen ein Kommunikationsversagen und manchmal ein Konstruktionsproblem. Ein Sicherheitssystem bringt nur Nutzen, wenn es vorhersehbar arbeitet und der Fahrer versteht, was es tut.
Hersteller müssen Fehlalarme reduzieren, leicht auffindbare Bedienung anbieten und die Funktionen bei der Fahrzeugübergabe erklären. Händler und Werkstätten müssen Sensoren und Kalibrierungen prüfen, Fahrer müssen den Unterschied zwischen einem unbequemen Eingriff und einer Funktion kennen, die die Schwere eines Unfalls mindern kann.
Die 21,3 % lassen sich nicht direkt auf Rumänien übertragen. Sie sind jedoch eine nützliche Warnung: Die Pflichtinstallation von ADAS-Systemen garantiert nicht deren korrekte Nutzung. Die Qualität der Eingriffe und das Vertrauen des Fahrers sind ebenso wichtig wie Kamera und Radar auf dem Datenblatt.



