Mercedes-Benz scheint verstanden zu haben, dass es 2026 nicht mehr reicht, eine große Batterie in einen SUV zu setzen, ein paar hundert PS hinzuzufügen und das Ganze elektrisch zu nennen. Kunden erwarten echte Reichweite, schnelles Laden, Platz, Komfort und – im Premiumsegment – das Gefühl, für das bezahlte Geld etwas Besonderes zu bekommen.
Der neue Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC mit EQ-Technologie versucht all das zu liefern.
Nach Zeit am Lenkrad ist der wichtigste Punkt: Er fühlt sich nicht wie ein verbesserter EQB an. Er fühlt sich wie ein neues Auto an.
Die getestete Version hat 354 PS, 4MATIC-Allrad, 85 kWh nutzbare Batterie und 579 km offizielle Reichweite. Sie erreicht 100 km/h aus dem Stand in 5,5 Sekunden und schafft 210 km/h.
Auf dem Papier klingt das fast nach einem sportlichen Elektro-SUV.
Am Lenkrad hat der GLB jedoch andere Prioritäten.
Er will nicht an jeder Ampel beeindrucken
Die erste ernsthafte Beschleunigung zeigt sofort, dass die 354 PS echt sind.
Der GLB 350 4MATIC startet entschieden und zieht über urbane Geschwindigkeiten hinaus kräftig durch. Überholungen sind schnell erledigt, und Autobahnauffahrten wirken nie untermotorisiert.
Mercedes hat das Auto aber nicht wie ein Elektrofahrzeug abgestimmt, das bei jedem Gasstoß die Organe neu sortieren will.
Die Leistungsabgabe ist progressiv.
In der Stadt kann man sehr ruhig fahren, ohne übertriebene Pedalreaktionen, und für volle Leistung reicht ein festerer Stoß.
Das passt zum Charakter des Wagens.
Der GLB ist kein AMG-Elektroauto und gibt sich nicht als solches aus. Er ist ein sehr schneller Familien-SUV.
Der Unterschied wirkt klein, im Alltag zählt er aber.
2,3 Tonnen verschwinden nicht – nerven aber nicht dauernd
Das Testauto wog 2.280 kg.
Das ist viel.
So gut das Fahrwerk auch abgestimmt ist, fast 2,3 Tonnen lassen sich auf kurvenreicher Strecke nicht vollständig verbergen.
Der GLB ist nicht das Auto, das man kauft, um Bergpässe im sportlichen Rhythmus anzugreifen.
Muss er auch nicht sein.
Die Lenkung ist präzise genug, der Allradantrieb gibt Sicherheit und die tief liegende Batterie hält den Schwerpunkt im Griff. Der Wagen reagiert vorhersehbar und überrascht nicht, wenn man etwas schneller in eine Kurve fährt.
Seine wahre Qualität zeigt sich, wenn man das Tempo drosselt.
Der GLB 350 4MATIC ist leise, kultiviert und sehr leicht zu fahren.
Im Alltagsverkehr sind das Eigenschaften, die man wahrscheinlich viel öfter schätzt als Grenzen in Kurven.

Komfort ist eines der stärksten Argumente
Manche Elektroautos wirken um Beschleunigungsziffern gebaut, andere um Menschen, die stundenlang darin sitzen.
Der GLB gehört in die zweite Gruppe.
Die Komfortfederung des Testwagens filtert die meisten Unebenheiten gut, und selbst wenn die Masse auf kurzen Wellen spürbar wird, scheint Mercedes Komfort nicht nur dem Anspruch auf Sportlichkeit geopfert zu haben.
Auf langen Fahrten ist dieser Ansatz sinnvoller.
Gute Sitzposition, SUV-typische Sicht, bequeme Sitze und wenig Geräusch im Innenraum.
Die akustische und thermische Frontverglasung unserer Ausstattung verstärkt das Premium-Gefühl.
Es ist der Typ Auto, bei dem man nach einigen Dutzend Kilometern vergisst, dass 354 PS unter der Haube stehen.
Für einen familienorientierten Mercedes ist das ein Kompliment.
579 km Reichweite verändern das Gespräch
Die vorherige Mercedes-Elektro-SUV-Generation konnte in der Stadt überzeugen, lange Fahrten erforderten mehr Planung.
Der neue GLB startet von einer deutlich besseren Basis.
Die Batterie des Testwagens hat 85 kWh nutzbare Kapazität und 579 km offizielle Reichweite, der angegebene Verbrauch liegt bei etwa 17 kWh/100 km.
579 km bedeuten natürlich nicht, diese Distanz in jeder Situation zu fahren.
Auf der Autobahn, im Winter oder voll beladen sinkt die Reichweite. In der Stadt und auf Landstraßen nähert man sich unter guten Bedingungen der offiziellen Zahl deutlich.
Entscheidend ist der Perspektivwechsel.
Man hat nicht mehr das Gefühl, jede Fahrt um die Batterie herum planen zu müssen.
Für einen Besitzer in Bukarest fühlen sich übliche Fahrten nach Brașov, Constanța oder ähnliche Ziele nicht mehr wie permanente Prozent-Rechnerei an.
Und wenn geladen werden muss, hat der GLB einen weiteren wichtigen Vorteil.

800 Volt und bis zu 320 kW: wohl die größte Änderung
Wenn ich ein technisches Element wählen müsste, das den neuen GLB am klarsten von der Vorgängergeneration trennt, wären es nicht Leistung oder Reichweite.
Es wäre die 800-V-Architektur.
Der GLB kann unter geeigneten Bedingungen mit bis zu 320 kW DC laden.
Das heißt: an einer kompatiblen Schnellladesäule, mit richtig vorbereiteter Batterie, ähnelt ein Ladestopp einer normalen Kaffeepause.
Wer ein Elektroauto auf Langstrecke nutzt, kann das wichtiger finden als der Unterschied zwischen 550 und 580 km WLTP.
Unser Testauto hatte einen 22-kW-AC-Lader plus die Hardware für 400-V-DC-Infrastruktur.
Beides würde ich bei der Konfiguration sehr ernst nehmen – besonders wenn der GLB das einzige Familienfahrzeug ist.

Im Innenraum setzt Mercedes auf Bildschirme
Tür auf – man betritt einen Mercedes der neuen Ära.
Unsere Ausstattung hatte das MBUX Superscreen; Armaturenbrett, Ambientebeleuchtung und Dekorflächen wollen Technologie zum zentralen Designelement machen.
Spektakulär.
Besonders nachts.
Dazu kamen Head-up-Display, Burmester 3D Surround, Panoramadach, MBUX-Navigation, 5G, induktives Laden sowie Apple CarPlay und Android Auto.
Es gibt sogar Selfie-/Video-Kamera und Gesichtserkennung.
Mercedes will das Auto klar zum digitalen Gerät auf Rädern machen.
Manchmal funktioniert das sehr gut.
Manchmal wünscht man sich, ein physischer Knopf wäre schneller gewesen.
Das ist wohl einer der meistdiskutierten Aspekte der neuen Mercedes-Generation: Die Technik beeindruckt, aber nicht jede Funktion wird besser, nur weil sie auf einen Bildschirm wandert.
Nach ein paar Stunden gewöhnt man sich, dennoch hätte ich einige Alltagsabläufe gern einfacher gelassen.
AMG Line lässt ihn teurer wirken, als er ist
Der GLB ist im klassischen Sinn nicht spektakulär.
Keine dramatischen Coupé-Proportionen, kein aggressiver Auftritt.
Er bleibt recht kantig – und das steht ihm gut.
Unser Testwagen hatte AMG Line, Night Package, 19-Zoll-AMG-Felgen und Sportsitze; die Kombination verändert die Präsenz deutlich.
Nocturn-Schwarz und Night-Elemente wirken seriöser, die 19-Zöller sind groß genug fürs Design, ohne den Komfort zu zerstören.
Mercedes hat die praktische Form nicht rein der Aerodynamik geopfert.
Der GLB sieht weiterhin wie ein SUV aus.
Wichtiger: Er verhält sich auch so, sobald man ihn mit der Familie nutzt.

Hier wird der GLB plausibler als viele Premium-Elektro-SUVs
Unser Testwagen hatte fünf Sitze, aber eine Stärke der neuen Generation ist die Raumnutzung.
Der Radstand von 2.889 mm hilft hinten stark, und die Rücksitzbank ist längs verstellbar.
Ein Detail, das im Konfigurator klein wirkt, mit Kindern, Gepäck, Kinderwagen oder Urlaubsstart aber sehr nützlich ist.
Mehr Beinfreiheit hinten oder mehr Kofferraum – beides möglich.
Der neue GLB hat zudem einen Frunk unter der Motorhaube.
Ladekabel und Kleinteile können dort unter statt auf dem Hauptgepäck liegen.
Kleine praktische Entscheidungen, die im Familienauto zusammen mehr zählen als weitere 20 PS.
Der Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC ist nicht billig
Jetzt der schwierigere Teil.
Das getestete Auto kostete 74.543,80 € inkl. MwSt.
Der Listenbasispreis der Konfiguration liegt bei etwa 49.826 € zzgl. MwSt., die Optionsliste treibt die Summe schnell nach oben.
Unser Wagen hatte Premium Plus Package, AMG Line, Night Package, 360°-Parkkamera, 22-kW-AC-Lader, 400-V-DC-Kompatibilität, Winterpaket und vieles mehr.
Premium Plus allein kostet deutlich, bringt aber vieles, was das Interieur besonders macht: Panoramadach, Superscreen, Burmester, Head-up-Display und Memory-Paket.
Bei fast 75.000 € kauft man jedoch nicht nur einen GLB.
Man betritt ein Feld mit vielen sehr guten Elektro-SUVs.
Manche sind größer.
Manche schneller.
Manche bieten noch mehr Reichweite.
Mercedes muss in der Kombination gewinnen, nicht mit einer einzelnen Zahl.
Und genau da überzeugt der GLB.
Ist 350 4MATIC die Version, die ich kaufen würde?
Kommt darauf an.
354 PS sind angenehm, Allrad ein echter Vorteil bei Regen, Schnee oder wenig Grip.
Trotzdem braucht nicht jeder diese Version.
Wer hauptsächlich Stadt und Autobahn fährt, findet vielleicht die Einmotor-Variante rationaler.
Weniger Leistung, wahrscheinlich mehr Reichweite, weniger Preis.
GLB 350 4MATIC lohnt sich, wenn man die Version mit wenigen Kompromissen will: Leistung, Allrad, große Batterie, in fast jeder Situation zügig unterwegs sein.
Die emotionale Wahl in einer ansonsten sehr rationalen Linie.
Der neue GLB lässt den alten EQB älter wirken, als er ist
Vielleicht ist das größte Verdienst dieses Modells, wie schnell man den EQB vergisst.
Nicht weil das alte Auto schlecht war.
Sondern weil die Technologielücke so groß ist.
85-kWh-Batterie.
Fast 580 km offiziell in dieser Konfiguration.
800 V.
Laden mit bis zu 320 kW.
Komplett neues Interieur.
Mehr Technik und eine Plattform, die von Anfang an für Elektroantrieb wirkt.
Der EQB wirkte mitunter wie ein Mercedes-SUV, nachträglich elektrisch gemacht.
Der neue GLB wirkt umgekehrt.
Ein Elektro-SUV von Beginn an – mit allem, was den GLB beliebt machte: praktische Form, großzügiger Innenraum, Familienorientierung.
Urteil
Nach dem Test des Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC bleibt der Eindruck, dass Mercedes endlich die richtige Formel für seinen kompakten elektrischen Familien-SUV gefunden hat.
Er ist nicht der sportlichste Elektro-SUV.
Nicht der günstigste.
Und sicher kein Auto, das man wegen Einfachheit kauft.
Aber er macht vieles gut.
Schnell, ohne zu ermüden. Komfortabel, ohne träge zu werden. Genug Platz als Familienauto und genug Reichweite, damit Langstrecken nicht mehr wie ein Dauerproblem wirken.
800-V-Architektur mit bis zu 320 kW Ladung behebt eine der größten Schwächen der Vorgängergeneration.
Die 354 PS sind fast ein Bonus.
Die eigentliche Evolution: Der elektrische GLB ist ein Auto, das man aus denselben Gründen kauft wie jeden Mercedes-SUV.
Bei 74.543,80 € für die getestete Konfiguration bleibt der Preis schwer zu ignorieren.
Zum ersten Mal hat der elektrische GLB aber auch die technischen Argumente, ihn zu rechtfertigen.
Der Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC ist nicht mehr nur die elektrische Alternative in der Linie. Er ist wohl die GLB-Version, die am deutlichsten zeigt, wohin Mercedes-Benz geht.
Häufige Fragen zum Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC Elektro
Wie viel Leistung hat der Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC?
Der Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC Elektro leistet 354 PS (260 kW) mit zwei E-Motoren für Allradantrieb.
Welche Batterie hat der Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC?
Die getestete Version hat 85 kWh nutzbare Kapazität.
Welche Reichweite hat der neue Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC?
Die getestete Konfiguration hat 579 km offizielle Reichweite. Die real erreichbare Reichweite hängt von Temperatur, Tempo, Route, Klima und Fahrstil ab.
Wie schnell ist der Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC?
Der Elektro-SUV beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 5,5 Sekunden und erreicht 210 km/h.
Wie schnell lädt der Mercedes-Benz GLB Elektro?
Die neue Generation nutzt 800-V-Architektur; die maximale DC-Schnellladeleistung kann unter optimalen Bedingungen an einer passenden Station etwa 320 kW betragen.
Was kostete der getestete Mercedes-Benz GLB 350 4MATIC?
Das Testauto mit AMG Line, Premium Plus Package, Night Package und zahlreichen weiteren Optionen kostete 74.543,80 € inkl. MwSt.
Gibt es den Mercedes-Benz GLB Elektro mit sieben Sitzen?
Die neue GLB-Generation kann auch mit sieben Sitzen angeboten werden. Unser Testwagen war die Fünfsitzer-Version.



