Foto: Avatr Technology. Offizielles Pressebild zur Markteinführung des 07L am 8. August 2026; redaktionelle Nutzung.
Avatr entwickelt den elektrischen 07L als Rechtslenker für Australien. Vorbestellungen sollen dort noch vor Ende 2026 beginnen, erste Auslieferungen sind für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen. Die Konstruktion wäre auch eine technische Grundlage für Großbritannien. Einen Verkaufsstart im Vereinigten Königreich hat Avatr damit jedoch nicht bestätigt.
Changan, der Konzern hinter der Marke, nannte Großbritannien im März 2025 als einen der europäischen Märkte der ersten Expansionsphase. Gleichzeitig führte das Unternehmen die Marken Changan, Deepal und Avatr offiziell in Europa ein. In der Mitteilung fehlten aber ein britischer Termin für den 07L, Preise, eine WLTP-Reichweite und Angaben zu Händler- oder Servicestandorten.
Der Rechtslenker war seit 2023 in Entwicklung
Avatr kündigte auf der IAA Mobility 2023 in München an, an einem Fahrzeug mit Rechtslenkung zu arbeiten. Die Aussage gehörte zur internationalen Strategie; ein bestimmtes Modell und das erste Zielland wurden damals nicht genannt. Das australische 07L-Programm macht aus diesem Vorhaben nun ein Fahrzeug für einen konkreten Markt.
Eine vorhandene Rechtslenker-Basis kann die Anpassung für Großbritannien beschleunigen. Sie ersetzt aber weder die Typgenehmigung noch lokale Software, vernetzte Dienste, Vertrieb und Kundendienst. Auch Fahrerassistenz, Kartenmaterial und Ladehardware müssen für jedes Land geprüft werden.
Changans Europaplan liefert dazu den Rahmen. Norwegen, Dänemark, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien wurden als erste Schwerpunktmärkte genannt; bis 2028 strebt Changan eine Präsenz in allen großen europäischen Märkten an. Die Europazentrale befindet sich laut Mitteilung in den Niederlanden, der Vertriebssitz in München. Diese Konzernstruktur ist noch kein modellspezifischer Verkaufsplan.
4,91 Meter Länge und fünf Sitzplätze
Der chinesische Avatr 07L ist 4.910 mm lang und 1.980 mm breit. Der Radstand beträgt 2.990 mm. Elite und Max+ sind 1.650 mm hoch, der Ultra misst 1.670 mm. Alle drei Varianten haben fünf Sitzplätze. Avatr gibt für den hinteren Kofferraum 735 bis 1.645 Liter an; hinzu kommt ein 100 Liter großer Stauraum unter der Fronthaube.
Damit gehört der 07L zu den großen Elektro-SUV. Eine europäische Positionierung oder offiziell benannte Wettbewerber gibt es noch nicht. Ebenso wenig lässt sich aus dem chinesischen Preis ein britischer oder europäischer Listenpreis ableiten. Transport, Steuern, Zulassung, Ausstattung, Garantie und Händlernetz verändern die Kalkulation.
Das weltweite Avatr-Designzentrum sitzt in München und wird von Nader Faghihzadeh geleitet. Der 07L nutzt die glatten Flächen, schmalen Leuchten und die geschlossene Front der Modellfamilie. Ein europäischer Designstandort belegt Entwicklungsarbeit in Deutschland, aber keine bereits bestehende Verkaufsorganisation.
89,33-kWh-Akku von CATL und 800-Volt-Technik
In China werden drei rein elektrische Varianten angeboten. Alle verwenden einen 89,33 kWh großen LFP-Akku vom Typ CATL Shenxing und ein 800-Volt-System mit Siliziumkarbid-Komponenten. Avatr nennt weniger als zehn Minuten für 30 bis 80 Prozent und 20 Minuten für null bis 80 Prozent. Diese Werte gelten unter den Bedingungen des Herstellers und setzen eine entsprechend leistungsfähige Ladesäule voraus.
Elite und Max+ besitzen einen 305 kW starken Heckmotor mit 435 Nm. Für 0–100 km/h nennt Avatr 5,9 Sekunden, für die Reichweite 725 km im chinesischen CLTC-Zyklus. Der Ultra kombiniert einen Frontmotor mit zwei Heckmotoren und erreicht 712 kW sowie 996 Nm. Er soll in 3,7 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und 650 km nach CLTC fahren.
CLTC ist nicht mit WLTP gleichzusetzen. Avatr hat für den 07L noch keinen europäischen Homologationswert veröffentlicht. Eine pauschale Umrechnung wäre lediglich eine Schätzung, denn Reifen, Testmasse, Software, nutzbarer Batterieanteil und marktspezifische Ausstattung beeinflussen das Ergebnis.
Changan, Huawei und CATL übernehmen unterschiedliche Aufgaben
Avatr beruht auf der Zusammenarbeit dreier Unternehmen. Changan stellt Fahrzeugentwicklung und Produktion bereit. Huawei liefert digitale Fahrzeugtechnik, Cockpitsoftware, Vernetzung und Assistenzsysteme. CATL ist Batteriepartner und strategisch beteiligt. Die verkürzte Bezeichnung als „Huawei-Automarke“ würde diese Rollen falsch darstellen.
Der chinesische 07L nutzt HarmonyOS und Huawei Qiankun ADS 5. Im Innenraum sitzen ein 35,4 Zoll großes 4K-Panoramadisplay und ein 15,6-Zoll-Zentralbildschirm. Zwei 6,7-Zoll-Anzeigen stellen die Bilder der Außenkameras dar; der digitale Innenspiegel misst 9 Zoll. Außerdem nennt das Datenblatt Lidar, ferngesteuertes Parken, adaptiven Tempomat und navigationsgestützte Assistenz auf Autobahnen und in Städten.
Avatr weist darauf hin, dass die Systeme den Fahrer nicht ersetzen, nicht alle Straßen und Bedingungen abdecken und teilweise erst per OTA-Update oder mit einem zusätzlichen Paket verfügbar werden. Für Europa wären zudem Karten, Mobilfunkdienste, Datenverarbeitung und die Zulassung kamerabasierter Außenspiegel zu klären.
Was eine echte Ankündigung für Großbritannien enthalten müsste
Für einen bestätigten UK-Start wären Bestelltermin, Preise in Pfund, Ausstattungslinien, WLTP-Reichweite, Ladeanschluss, Garantie und Servicepartner nötig. Außerdem müsste Avatr erläutern, welche Huawei-basierten Funktionen lokal arbeiten und welche chinesischen Ausstattungsmerkmale übernommen werden.
Bis dahin bleibt der 07L ein für Australien vorgesehenes Rechtslenker-Modell mit nachvollziehbarem, aber unbestätigtem Potenzial für Großbritannien. Das Vereinigte Königreich steht in Changans allgemeinem Europaplan, der SUV selbst jedoch in keinem veröffentlichten britischen Modellprogramm. Für EU-Märkte, auch Deutschland, fehlen am 24. September 2026 ebenfalls Preis, Verkaufsdatum und homologiertes Datenblatt.
Die Entwicklung ist deshalb enger zu formulieren: Avatr bringt sein 2023 angekündigtes Rechtslenker-Projekt in Australien in die Vermarktung. Ob daraus ein britisches Angebot entsteht, entscheidet sich erst mit einer separaten Ankündigung zu Zulassung, Netz und Preisen.



