Die BMW Group hat nach eigenen Angaben eine Million automatisierte Fahrzeugbewegungen in ihrem Produktionsnetz erreicht. Das System Automated Driving In-Plant, kurz AFW, bewegt neue Fahrzeuge ohne Fahrer in festgelegten Produktions- und Logistikbereichen. Der Meilenstein beschreibt den Einsatz in der Fabrik und stellt keine neue Fähigkeit der BMW-Serienfahrzeuge für öffentliche Straßen dar.

AFW ist derzeit in Dingolfing, Leipzig und Regensburg in Deutschland sowie im MINI-Werk Oxford in Großbritannien aktiv. BMW nennt rund 3.500 automatisierte Bewegungen pro Tag im gesamten Netzwerk. In Oxford wurden im vergangenen Jahr mehr als 53.000 solcher Fahrten durchgeführt.

Warum das Werk nicht mit der Straße vergleichbar ist

In einem Werk lassen sich viele Bedingungen kontrollieren. Die Fahrwege sind vorgegeben, Bereiche können abgesperrt werden und Sensoren lassen sich an genau festgelegten Punkten installieren. Auf einer öffentlichen Straße muss ein Fahrzeug dagegen mit unvorhersehbaren Verkehrsteilnehmern, wechselnden Situationen, Verkehrsregeln und einem deutlich umfangreicheren Zulassungsrahmen umgehen.

BMW erklärte bereits beim Pilotprojekt, dass die Fahrzeuge für den Betrieb im Werk nicht zwingend ihre eigenen Sensoren für das Fahren auf der Straße verwenden. Sensoren entlang der Strecke lokalisieren das Fahrzeug und erkennen Hindernisse. Eine Planungssoftware übermittelt anschließend die notwendigen Befehle über die Kommunikationsinfrastruktur des Werks.

Die aktuelle Lösung verbindet externe Sensoren, eine Cloud-Architektur und Software für die Bewegungsplanung. LiDAR-Sensoren erfassen die Umgebung laufend. Das System soll Personen, andere Fahrzeuge, fahrerlose Transportfahrzeuge, Logistikverkehr und vorübergehende Hindernisse berücksichtigen können. Diese Fähigkeit bezieht sich auf die Bereiche, für die das System eingerichtet und überprüft wurde.

BMW bezeichnet die LiDAR-Infrastruktur im Werk Dingolfing als die größte ihrer Art in Europa. Die Sensoren gehören zur Fabrik und nicht zur Serienausstattung jedes einzelnen Fahrzeugs. Dadurch können unterschiedliche Fahrzeugarchitekturen dieselbe kontrollierte Umgebung nutzen, sofern Fahrwege, Sicherheitsregeln und Schnittstellen zu den Anlagen geprüft sind.

Vom Pilotprojekt im Jahr 2022 zu vier Standorten

BMW startete AFW 2022 in Dingolfing. Entwickelt wurde die Lösung gemeinsam mit Embotech, einem Schweizer Unternehmen für Software zur Wahrnehmung, Vorhersage und Bewegungsplanung in industriellen Umgebungen. Embotech beschreibt außerdem eine getrennte Sicherheitsarchitektur, die die Betriebsgrenzen des Systems festlegt. Nach Angaben des Unternehmens wurde diese Architektur unabhängig von TÜV SÜD zertifiziert.

Embotech zufolge wurden die ersten 500.000 Bewegungen in 15 Monaten abgeschlossen. Die nächsten 500.000 Bewegungen dauerten sieben Monate. Der Vergleich zeigt einen schnelleren Ausbau nach der gesammelten Betriebserfahrung, liefert aber keine feste Prognose für jede weitere Fabrik.

Die vier Standorte setzen AFW in unterschiedlichen Situationen ein. In Oxford ist das System laut BMW direkt an vorhandene Steuerungssysteme angeschlossen. Fahrzeuge können für bestimmte Arbeitsschritte neben Hebevorrichtungen positioniert werden. Eine cloudbasierte Lösung koordiniert die Verbindung zwischen Fahrzeug und Anlage.

Als nächsten Standort nennt BMW Spartanburg in den USA. Dort soll das System innerhalb von ungefähr einem Jahr eingeführt werden. BMW ordnet AFW in die iFACTORY-Strategie ein, zu der die Digitalisierung der Produktion, die Nutzung von Daten und der autonome Transport innerhalb der Werke gehören.

Was automatisierte Bewegungen im Werk verändern können

Der Transport zwischen zwei Arbeitsstationen ist wiederholbar, muss aber mit Montage, Kontrolle, Logistik und Wartebereichen abgestimmt werden. Ein Fahrzeug kann nach der Montagelinie, vor einer Prüfung oder neben einer Anlage bewegt werden, die einen bestimmten Arbeitsschritt ausführt.

BMW und Embotech nennen einen gleichmäßigeren Fahrzeugfluss, mehr Flexibilität, einen Betrieb unabhängig von Schichten und weniger Transportschäden als mögliche Vorteile. Diese Aussagen stammen vom Hersteller und vom Technologiepartner. Die veröffentlichte Information enthält keine unabhängige Gesamtstudie zu Kosten, Produktivität oder Auswirkungen auf die Beschäftigung.

Fahrerlose Bewegungen bedeuten außerdem keine menschenleere Fabrik. Mitarbeiter müssen die Wege überwachen, Sensoren warten, nach einem Stopp eingreifen und die digitale Karte anpassen, wenn sich die Umgebung ändert. Ein Teil der Arbeit verlagert sich von der direkten Fahrzeugführung auf die Überwachung eines vernetzten Systems.

Auch die Infrastruktur ist eine Grenze. Für die Einführung in einem neuen Werk werden Sensoren, zuverlässige Kommunikation, Sicherheitsbereiche, Wiederanlaufverfahren und Schnittstellen zu vorhandenen Produktionssteuerungen benötigt. AFW ist daher kein Software-Schalter, der ohne Anpassung des Gebäudes aktiviert werden kann.

Was die Zahl von einer Million nicht bedeutet

Die Zahl ist ein Maß für die industrielle Nutzung. Sie zeigt, dass BMW von einem Pilotprojekt zu wiederholten Einsätzen an vier Standorten übergegangen ist. Sie verleiht BMW-Fahrzeugen aber keine neue Zulassung oder Autonomiestufe für öffentliche Straßen.

Für Käufer bleibt der Zusammenhang indirekt. BMW nennt keine konkrete Preissenkung, keine genaue Zeitersparnis pro Fahrzeug und keine neue Serienausstattung, die sich unmittelbar aus dem Bewegungszähler ableiten lässt. Solche Schlüsse wären durch die veröffentlichte Zahl nicht belegt.

Die überprüfbaren Angaben sind trotzdem klar: vier Werke, rund 3.500 automatisierte Bewegungen pro Tag, mehr als 53.000 Bewegungen in Oxford innerhalb eines Jahres und eine Million seit dem Start des Programms. Die geplante Ausweitung wird zeigen, wie gut sich die Methode an andere Gebäude und Produktionsabläufe anpassen lässt.

Quellen