Dacia bringt drei Sandrider zur Rallye du Maroc 2026. Vor dem vorletzten Lauf der FIA Rally-Raid-Weltmeisterschaft führt das Team die Wertungen für Fahrer, Beifahrer und Hersteller an. Zwischen Sébastien Loeb und Nasser Al-Attiyah liegen allerdings nur drei Punkte.

Loeb fährt weiter mit Édouard Boulanger, Al-Attiyah mit Fabian Lurquin. Im dritten Auto beginnt eine neue Zusammenarbeit: Der amtierende Weltmeister Lucas Moraes tritt erstmals mit Pablo Moreno als Beifahrer an.

Das Aufgebot mit drei Fahrzeugen

Dacia hat folgende Besetzungen bestätigt:

  • #219 — Sébastien Loeb und Édouard Boulanger;
  • #299 — Nasser Al-Attiyah und Fabian Lurquin;
  • #223 — Lucas Moraes und Pablo Moreno.

Moreno saß zuvor neben Cristina Gutiérrez und ersetzt bei Moraes Dennis Zenz. Die von Zenz in den ersten drei Läufen gesammelten 57 Punkte bleiben in dessen persönlicher Beifahrerwertung. Dacia teilte zugleich mit, dass die Zusammenarbeit mit Gutiérrez im Sommer einvernehmlich endete. Die FIA-Vorschau führt die Spanierin in Marokko in einem Santana, der nicht für W2RC-Punkte registriert ist.

Moraes kehrt damit an den Ort zurück, an dem er 2025 noch als Toyota-Fahrer den WM-Titel gewann. Die Strecke kennt er, die Abläufe mit Moreno müssen beide neu entwickeln. Diese Eingewöhnung findet nicht bei einem Test statt, sondern in einer Meisterschaftsrunde mit fünf aufeinanderfolgenden Etappen.

Drei Punkte zwischen den Dacia-Fahrern

Loeb führt mit 114 Punkten vor Al-Attiyah mit 111. Toyota-Fahrer Seth Quintero folgt mit 101 Punkten. Bei den Beifahrern hat Boulanger ebenfalls 114 Punkte, Lurquin 111 und Andrew Short 101.

In der Herstellerwertung stehen nach FIA-Angaben 315 Punkte für Dacia, 250 für Toyota Gazoo Racing W2RC und 170 für Ford Racing. Der Vorsprung auf Toyota beträgt 65 Punkte. Dacia gewann den Saisonauftakt, als Al-Attiyah und Lurquin bei der Dakar siegten. Anschließend holten Loeb und Boulanger den ersten Platz beim Rally-Raid Portugal.

Beim Desafío Ruta 40 in Argentinien belegte Al-Attiyah Rang drei, Loeb wurde Vierter. Moraes verlor mehr als 20 Stunden und kam als 21. ins Ziel. Quintero und Short gewannen für Toyota und rückten dadurch bis auf 13 Punkte an die Spitzenreiter der Fahrer- und Beifahrerwertung heran.

2.524 Kilometer zwischen Agadir und Zagora

Der FIA-Kalender nennt den 28. September bis 3. Oktober als Zeitraum der gesamten Veranstaltung. Dacias Beschreibung der sportlichen Route beginnt am 29. September in Agadir und endet am 3. Oktober in Zagora. Fünf Etappen umfassen 1.575 gezeitete Kilometer innerhalb einer Gesamtdistanz von 2.524 km.

Die erste Etappe führt von Agadir nach Zagora. Dort bleibt das Biwak für die folgenden vier Tage. Etappe zwei verläuft westlich der Stadt, Etappe drei und vier nordöstlich davon. Der vierte Tag am Freitag, 2. Oktober, enthält mit 384 km die längste Wertungsprüfung. Das Finale wird südlich von Zagora gefahren.

Die FIA meldet 104 Autos und acht Lastwagen. In der Ultimate-Klasse treffen die Dacia-Prototypen auf Toyota Hilux, Ford Raptor, Mini JCW und weitere Konstruktionen. Zwölf Ford Raptor sind für W2RC-Punkte genannt. Toyota unterstützt Quinteros Angriff unter anderem mit den Besatzungen von Henk Lategan und Yazeed Al-Rajhi.

Viele Teams nutzen die Wüstenetappe zugleich zur Vorbereitung auf die Dakar 2027. Für die aktuelle Meisterschaft bleiben die Punkte jedoch unmittelbar wichtig. Nach Marokko folgt nur noch die Abu Dhabi Desert Challenge vom 22. bis 27. November.

Zwei Starts und zwei Dacia-Siege

Das Sandriders-Projekt debütierte 2024 bei der Rallye Marokko und gewann mit Al-Attiyah. 2025 wiederholten Loeb und Boulanger den Erfolg. Dacia ist damit nach den ersten beiden Teilnahmen ungeschlagen und nennt einen dritten Sieg in Folge als Ziel.

Die Bilanz ist keine Ergebnisgarantie. Loeb erinnerte daran, dass sein Vorjahressieg knapp ausfiel und die Besatzung in der letzten Power Selective Section einen Wegpunkt verfehlte. Bei einer Rally-Raid können Navigationsfehler und daraus entstehende Zeitstrafen einen zuvor herausgefahrenen Vorsprung aufheben.

Teamchefin Tiphanie Isnard bezeichnet die Verteidigung aller drei WM-Führungen als höchste Priorität. Zugleich konkurrieren Loeb und Al-Attiyah direkt um den Fahrertitel. Erst das Resultat in Zagora wird zeigen, wer mit einem Vorsprung zum Finale nach Abu Dhabi reist.

Ein Ultimate-T1+-Prototyp statt eines umgebauten Duster

Der Sandrider ist eine reine Wettbewerbskonstruktion von Dacia, Renault Group und Prodrive. Das ursprüngliche Datenblatt nennt einen Rohrrahmen, Karosserieteile aus Kohlefaser, Allradantrieb sowie Doppelquerlenker-Aufhängungen mit 350 mm Federweg.

Der 3,0-Liter-V6 mit zwei Turboladern und Direkteinspritzung leistet laut Dacia 265 kW/360 PS und liefert 539 Nm bei 4.250 U/min. Ein sequenzielles Sechsganggetriebe überträgt die Kraft. Das Auto ist 4.140 mm lang, 2.290 mm breit und 1.810 mm hoch; der Radstand misst 3.000 mm.

In Marokko fahren alle drei Autos auf BFGoodrich-Reifen und mit einem von Aramco gelieferten Kraftstoff, den die Partner als nachhaltig bezeichnen. Die Veranstaltungsmitteilung enthält keine unabhängige Messung der Emissionsminderung für diese Fahrzeuge. Die Bezeichnung bleibt deshalb eine technische Aussage von Dacia und Aramco.

Bild: offizielles Dacia-Medienpaket, © MCH Photography S.R.O.

Quellen