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Bentley Torcal verzichtet auf ein Beifahrerdisplay
Der Bentley Torcal bekommt keinen eigenen Bildschirm vor dem Beifahrer. Bentley hatte diese Ausstattung während der Entwicklung geprüft und anschließend verworfen. Technik müsse einen erkennbaren Nutzen bringen und dürfe das Erlebnis nicht beherrschen, erklärte Produktlinien-Direktor Martin Page bei einer Medienpräsentation in Crewe laut Motor1.
Gemeint ist nur das Display auf der rechten Seite des Armaturenbretts. Der Torcal besitzt weiterhin digitale Instrumente und einen gebogenen Zentralbildschirm. Vor dem Beifahrer zeigt er je nach Konfiguration Holzfurnier, Aluminium oder Carbon statt einer weiteren aktiven Fläche.
Geprüft, aber ohne überzeugenden Anwendungsfall
Page bezeichnete die Idee sinngemäß als Lösung auf der Suche nach einem Problem. Sie passe nicht zum menschenorientierten Ansatz der Marke. In einem tatsächlich autonom fahrenden Auto könne ein zusätzlicher Bildschirm später sinnvoller werden. Eine solche Fähigkeit gehört jedoch nicht zu den für den Torcal angekündigten Funktionen.
Der Porsche Cayenne Electric zeigt die gegenteilige Entscheidung im selben Konzern. Sein optionales 14,9-Zoll-Beifahrerdisplay steuert Apps und Unterhaltung und kann während der Fahrt Videos wiedergeben. Porsche verweist auf eine Technik, die Ablenkung des Fahrers verhindern soll. Bentley nutzt ebenfalls einen auffälligen gebogenen Zentralbildschirm, lässt die Beifahrerseite aber als Materialfläche stehen.
Bei regelmäßigen langen Fahrten zu zweit kann eine eigene Oberfläche für Navigation und Medien nützlich sein. Wird das Auto überwiegend allein gefahren, bleibt sie ausgeschaltet und verursacht trotzdem Hardware, Software und zusätzlichen Erklärungsbedarf bei der Übergabe. Bentley gewichtet beim Torcal dieses zweite Nutzungsmuster stärker.
US-Befragung stellt den Alltagsnutzen infrage
Der J.D. Power U.S. Tech Experience Index 2024 basiert auf Antworten von 81.926 Besitzern neuer Fahrzeuge des Modelljahres 2024 nach 90 Tagen. Viele stuften das Beifahrerdisplay als unnötig ein. Nur zehn Prozent der Autos beförderten täglich eine Person auf dem vorderen rechten Sitz. Zudem erschwere ein zweites System die Einweisung durch den Händler.
Motor1 nennt neuere Daten, nach denen 35 Prozent der Besitzer mit Beifahrerbildschirm ihn noch nie ausprobiert haben. Gemeldet wurden demnach 21,3 Probleme je 100 entsprechend ausgestattete Fahrzeuge. Ein Problem kann in solchen Studien auch Bedienbarkeit oder Verständnis betreffen und muss kein Hardwaredefekt sein. Außerdem beziehen sich die Werte auf die USA, nicht unmittelbar auf Europa.
Smartphone und Tablet sind direkte Alternativen. Dort befinden sich bereits Konten, Apps und persönliche Inhalte. Eine integrierte Lösung kann Navigation und Audiosystem besser einbinden, muss aber häufig genug genutzt und leicht verständlich sein. Bentleys Entscheidung gilt für das eigene Produkt; sie beweist nicht, dass jedes Beifahrerdisplay grundsätzlich nutzlos ist.
Digitaler Innenraum mit reduzierbarer Informationsmenge
Der offizielle Curation Engine des Torcal stimmt Licht, Klang, Klimatisierung, Luftqualität und digitale Informationen aufeinander ab. Bentley, Comfort, Sport und Refresh verändern mehrere Parameter gemeinsam. Im Comfort-Modus gibt es eine Digital-Detox-Einstellung, die den Informationsfluss verringert.
Für häufige Funktionen bleiben physische Bedienelemente erhalten. Karten und komplexe Einstellungen profitieren vom Zentraldisplay, andere Handgriffe sollen ohne mehrere Menüebenen möglich sein. Ob die Ergonomie überzeugt, kann erst ein Test des Serienautos zeigen. Bislang beschreibt Bentley eine Entwicklungsabsicht und keine unabhängige Messung.
Ein Vorläufer dieser Haltung ist das Bentley Rotating Display. In anderen Modellen wechselt es zwischen einem 12,3-Zoll-Touchscreen, drei analogen Rundinstrumenten und einer durchgehenden Furnierfläche. Die Vernetzung verschwindet nicht, kann aber aus dem Sichtfeld gedreht werden. Der Torcal nutzt andere Komponenten und behält die Mischung aus realem Material und gezielt eingesetzter Anzeige bei.
Sogar die digitalen Grafiken sollen einen physischen Ursprung haben. Bentley arbeitete mit Cumbria Crystal, filmte Licht durch handgeschliffene Kristallobjekte und entwickelte daraus eine visuelle Signatur. Das zeigt: Die Marke lehnt digitale Inhalte nicht ab, sondern will sie mit ihrer Materialgestaltung verbinden.
Im Fond gelten andere Anforderungen
Pages Aussage ist kein Verbot sämtlicher Passagierbildschirme. Im Flying Spur Mulliner steuert eine Touchscreen-Fernbedienung Reiseinformationen, Sitze und Audio. Bentley Rear Entertainment überträgt Inhalte von Mobilgeräten auf hochauflösende 10-Zoll-Bildschirme.
Ein Fondpassagier erreicht das Zentraldisplay nicht, besonders in einer Limousine mit Chauffeur. Der vordere Mitfahrer sitzt direkt daneben und kann zusätzlich ein eigenes Gerät verwenden. Bentley sieht deshalb hinten einen stärkeren funktionalen Grund für separate Steuerung und Unterhaltung.
Für Käufer im Vergleich zum Cayenne Electric steht die Abweichung fest: Ein rechtes Frontdisplay wird es beim Torcal nicht als Option geben. Digitale Instrumente, Zentralanzeige, Konnektivität und Tasten bleiben, während die gewählte Dekoroberfläche den freien Platz einnimmt. Vernetzte Dienste und Ausstattung können je nach Land abweichen; Bentley hat noch nicht jede europäische Konfiguration veröffentlicht.
Die Entscheidung verändert außerdem die Aufgabenverteilung im Cockpit. Navigation, Medien und Fahrzeugeinstellungen müssen so auf dem Zentraldisplay organisiert sein, dass Fahrer und Beifahrer nicht um eine überladene Oberfläche konkurrieren. Physische Tasten können häufige Bedienvorgänge abfangen, während Sprachsteuerung und Smartphone-Integration weitere Wege eröffnen. Bentley hat noch nicht im Detail erklärt, welche Funktionen ein Beifahrer während der Fahrt bedienen darf oder wie einzelne Online-Dienste regional freigeschaltet werden. Deshalb lässt sich aus dem fehlenden Zusatzbildschirm weder eine einfachere Bedienung garantieren noch ein Nachteil für jeden Nutzer ableiten. Die tatsächliche Qualität hängt stärker von Menüstruktur, Reaktionsgeschwindigkeit und klaren Zuständigkeiten ab als von der reinen Zahl der Displays.



