Das Interesse an einem Hybrid als nächstem Fahrzeug ist unter den von HERE Technologies und SBD Automotive befragten Elektroautobesitzern von 23 auf 28 Prozent gestiegen. Der Wahrnehmungsbericht 2026 zählt dazu konventionelle Hybride, Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerer. Die Zahl beschreibt deshalb weder ausschließlich PHEV-Interessenten noch bereits vollzogene Wechsel weg vom batterieelektrischen Auto.

Gleichzeitig sagen 76 Prozent der befragten E-Autobesitzer, dass sie wahrscheinlich wieder ein Elektroauto kaufen oder leasen werden. Beide Ergebnisse betreffen Absichten. Sie dürfen nicht als komplementäre Anteile einer einzigen ausschließlichen Entscheidung gelesen werden. Welche Autos die Befragten später tatsächlich erwerben, wird mit diesen Angaben nicht nachgewiesen.

Mehr Ladeinfrastruktur beantwortet nicht jede Alltagssorge

Die Untersuchung verbindet zwei getrennte Ebenen: einen Infrastrukturindex und eine Befragung. Der Index bewertet öffentliche Ladepunkte im Verhältnis zur Straßenlänge, deren durchschnittliche Leistung, den E-Auto-Anteil am Fahrzeugbestand und Ladepunkte je Elektroauto. Jeder Faktor kann bis zu 25 Punkte beitragen, insgesamt sind 100 möglich.

Das ist ein Vergleich der Marktreife und keine Zusage, dass ein bestimmter Ladepunkt bei der Ankunft frei oder funktionsfähig ist. Auch die Zahl der Ladepunkte ersetzt deshalb nicht den Blick auf deren Lage und Nutzbarkeit entlang einer konkreten Strecke. Die Befragung ergänzt diese Daten um persönliche Erfahrungen und Erwartungen der Fahrer.

Die Abdeckung beider Teile unterscheidet sich. Rumänien gehört zu den 30 europäischen Ländern der Infrastrukturanalyse, nicht aber zu den acht Befragungsmärkten. Aus der Aufnahme eines Landes in den Index folgt somit keine nationale Befragungsquote zum Wechselinteresse. Ebenso wird das aggregierte Ergebnis nicht allein deshalb zu einer deutschen Zahl, weil Deutschland an der Umfrage beteiligt ist.

Gute Erfahrungen schließen Bedenken auf Fernreisen nicht aus

68 Prozent der befragten E-Autobesitzer beurteilen das Laden besser, als sie zuvor erwartet hatten. Für die Reichweite sagen dies 67 Prozent. Dennoch berichten 54 Prozent, mindestens eine Fahrt aus Sorge vermieden zu haben, keinen Ladepunkt zu finden. Die Aussage bezieht sich auf Personen mit einer solchen Erfahrung, nicht auf den Anteil sämtlicher abgesagter Fahrten.

HERE unterscheidet in seiner Auswertung zwischen vertrauten Abläufen und weniger bekannten Reiserouten. Wer regelmäßig zu Hause lädt, kann mit dem Alltag zufrieden sein und trotzdem vor einer Fahrt in ein unbekanntes öffentliches Netz zögern. Das ist eine mögliche Erklärung für das Nebeneinander von positiven Erfahrungen und Vorbehalten. Es beweist nicht, dass jeder Hybridinteressent aus demselben Grund auf diese Technik schaut.

Hinzu kommen defekte Ladegeräte. Jeder fünfte befragte E-Autobesitzer sagt, einmal wegen eines kaputten öffentlichen Ladepunkts nicht geladen haben zu können. 39 Prozent berichten, dies gelegentlich oder häufiger erlebt zu haben. Diese Angaben sind kein gemessener Ausfallanteil aller Ladepunkte und keine technische Verfügbarkeitsprüfung einzelner Betreiber.

Welche Fahrzeuge die Hybridkategorie umfasst

Der Bericht definiert EV als rein batterieelektrisches Fahrzeug und schließt Hybride aus diesem Begriff aus. Das ist für die Interpretation wichtig: Interesse an elektrifizierten Antrieben insgesamt bedeutet nicht automatisch Interesse an einem Auto ohne Verbrennungsmotor. Die 28 Prozent beziehen sich auf eine breitere Gruppe möglicher Alternativen.

Nach den technischen Erläuterungen des US-Energieministeriums kombiniert ein konventioneller HEV Verbrennungs- und Elektromotor. Seine Batterie erhält Energie durch Rekuperation und den Verbrennungsmotor, ohne an eine externe Stromquelle angeschlossen zu werden. Ein PHEV besitzt dagegen eine extern aufladbare Batterie sowie einen Verbrennungsmotor.

Regelmäßiges Laden ist laut dieser Quelle der beste Weg, die elektrischen Vorteile eines Plug-in-Hybrids zu nutzen. Sein Kraftstoffverbrauch hängt von der Strecke zwischen den Ladevorgängen ab. Ein PHEV bietet eine zusätzliche Möglichkeit zur Weiterfahrt, macht aber den Zugang zum Laden für überwiegend elektrischen Betrieb nicht unwichtig.

Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer sind in der Hybridbetrachtung ebenfalls enthalten. Eine Aufteilung der zentralen 28 Prozent, die diese Quote vollständig den Plug-in-Hybriden zuweisen würde, veröffentlicht der Bericht nicht. Auch der künftige Anteil elektrisch und mit Kraftstoff gefahrener Kilometer lässt sich daraus nicht ableiten.

850 E-Autobesitzer innerhalb einer größeren Stichprobe

SBD führte die Onlinebefragung im Juni und Juli 2026 durch. Insgesamt nahmen 4.058 Personen teil: 850 E-Autobesitzer und 3.208 Besitzer anderer Fahrzeuge. Erfasst wurden die USA, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien, Indien und Australien. Voraussetzung war ein Autokauf seit 2017; außerdem mussten die Teilnehmer Hauptfahrer und Entscheider beim nächsten Fahrzeugkauf sein.

Australien kam 2026 hinzu. Die Veränderung von 23 auf 28 Prozent entspricht fünf Prozentpunkten, muss aber zusammen mit dieser erweiterten geografischen Abdeckung gelesen werden. Sie dokumentiert nicht, dass dieselben Menschen innerhalb eines Jahres ihre Wahl geändert haben. Eine spätere Kaufentscheidung wird für diese Befragten ebenfalls nicht kontrolliert.

Kosten und Reichweite bleiben unterschiedliche Entscheidungsfaktoren

Unter allen Teilnehmern nennen 36 Prozent ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als Motiv für Kauf oder Leasing eines E-Autos. Geringere Betriebskosten folgen mit 34 Prozent, Umweltvorteile mit 33 Prozent. Das sind geäußerte Beweggründe und kein Nachweis, dass jedes Elektroauto in jedem Haushalt die niedrigsten Gesamtkosten verursacht.

Begrenzte Verfügbarkeit von Ladestationen bleibt für 40 Prozent der gesamten Stichprobe ein Hindernis, sieben Prozentpunkte weniger als 2025. Reichweite nennen 37 Prozent, ein Rückgang um sechs Punkte. Dieser Nenner umfasst auch Personen ohne Elektroauto und unterscheidet sich damit von den Ergebnissen zu Ladekundenerfahrungen oder Hybridinteresse unter EV-Besitzern.

Für Kaufinteressenten liefert die Untersuchung daher Anhaltspunkte zur Prüfung der eigenen Lademöglichkeiten zu Hause, am Arbeitsplatz und unterwegs. Sie ersetzt diese Prüfung nicht durch eine pauschale Abwanderungsquote. Das gemeldete Hybridinteresse bleibt eine Absicht aus einer Befragung, keine bereits beobachtete Verkaufsentwicklung.

Foto: Renault Megane E-Tech electric. Quelle Renault, offizielles Pressefoto zur Illustration. Es zeigt keine Studienteilnehmer und steht nicht für ein modellspezifisches Befragungsergebnis.

Quellen