Volkswagen Golf, eine der in der deutschen Aktion genannten Baureihen. Offizielles Volkswagen-AG-Pressebild DB2023AU01424, vom Hersteller zur kostenlosen redaktionellen Nutzung freigegeben.

VW-Konzern-Rückruf zur Lenkung könnte 4 Millionen Autos betreffen

Eine korrosionsgefährdete Befestigungsschraube am Lenkgetriebe führt zu Rückrufen bei mehreren Marken des Volkswagen-Konzerns. In der Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts stehen bereits Aktionen für Volkswagen, Audi und Seat. Das Handelsblatt berichtete zusätzlich von mehr als einer Million Skoda-Fahrzeugen; Reuters bezifferte den möglichen Gesamtumfang auf rund vier Millionen Autos.

Diese Konzernsumme ist noch keine einheitliche, von Volkswagen Group oder einer Behörde veröffentlichte FIN-Liste. Die amtlichen Angaben verteilen sich auf mehrere Referenznummern und Märkte. Vier Millionen beschreiben deshalb den berichteten Umfang, nicht die sichere Betroffenheit jedes Fahrzeugs aus den genannten Modellreihen.

Diese Modelle nennt das KBA

Unter der KBA-Referenz 17016R und dem Volkswagen-Aktionscode 48VS sind Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran und Caddy aufgeführt. Der Produktionszeitraum reicht vom 24. September 2013 bis zum 1. Juli 2024. Weltweit nennt das KBA 2.159.054 potenziell betroffene Fahrzeuge, davon 895.832 in Deutschland.

Für Audi läuft die verwandte Aktion unter 17014R. Sie betrifft den Q3 aus dem Produktionszeitraum 31. Oktober 2017 bis 23. Mai 2024. Das KBA weist 696.547 Fahrzeuge weltweit und 58.555 in Deutschland aus.

Die Seat-Referenz 17017R umfasst Ateca und Tarraco, gebaut zwischen April 2016 und September 2024. In der deutschen Datenbank stehen 66.224 Fahrzeuge weltweit, darunter 43.574 in Deutschland. Reuters berichtete gesondert, Seat habe für die breitere Konzernaktion mehr als 200.000 Fahrzeuge bestätigt. Unterschiedliche Stichtage oder Abgrenzungen können die Differenz erklären; als identische Kennzahlen dürfen sie nicht verwendet werden.

Beim Skoda-Anteil stützt sich die Zahl von mehr als einer Million zunächst auf den Handelsblatt-Bericht. Skoda kommentierte sie gegenüber Reuters nicht sofort. Ohne offizielle Modell- und Produktionslisten lässt sich aus einer gemeinsamen Plattform nicht ableiten, dass ein bestimmter Skoda zurückgerufen wird.

Wie die Schraube die Lenkung gefährden kann

Das Lenkgetriebe ist am vorderen Hilfsrahmen befestigt. Diese Verbindung muss starr bleiben, damit die Bewegung des Lenkrads kontrolliert an die Vorderräder weitergegeben wird. Über Jahre können Feuchtigkeit und Streusalz die betroffene Schraube angreifen. Bricht sie, kann die zusätzliche Belastung das Lenkgetriebegehäuse beschädigen und die Lenkbarkeit des Autos beeinträchtigen.

Der US-Rückruf 26V590 der Verkehrsbehörde NHTSA beschreibt denselben Ablauf für eine kleinere nordamerikanische Fahrzeuggruppe. Dort geht es um 208.724 ausgewählte Volkswagen Tiguan des Modelljahrs 2018, Atlas von 2018 bis 2019 sowie Audi Q3 von 2019 bis 2021. Laut NHTSA kann das Gehäuse nach einem Schraubenbruch brechen; ein Verlust der Lenkkontrolle erhöht das Unfallrisiko.

Die US- und Europa-Listen sind nicht deckungsgleich. Der Atlas steht in Nordamerika auf der Liste, während das KBA zusätzlich Golf, Golf Variant, Touran und Caddy nennt. Die NHTSA-Unterlagen bestätigen Bauteil, Fehlerfolge und Abhilfe, entscheiden aber nicht über ein in Deutschland oder einem anderen europäischen Land zugelassenes Auto.

Werkstätten setzen eine korrosionsbeständigere Schraube ein

Als Abhilfe wird die rechte Befestigungsschraube des Lenkgetriebes kostenlos durch eine korrosionsbeständigere Ausführung ersetzt. Volkswagen bezeichnete die Aktion als Vorsichtsmaßnahme und erklärte, die Arbeit solle höchstens eine Stunde dauern.

Dem KBA waren bei Veröffentlichung keine Unfälle mit Sach- oder Personenschäden im Zusammenhang mit den europäischen Aktionen bekannt. Das bedeutet nicht, dass kein Sicherheitsrisiko besteht. Die amtliche Fehlerbeschreibung nennt einen möglichen Lenkungsausfall infolge des Schraubenabrisses.

In den USA lauten die Volkswagen-Codes 48LG und 48VT. Betroffene FIN sind dort seit dem 16. September 2026 abrufbar; Halteranschreiben sollen ab 10. November versendet werden. Für Europa gelten diese Termine nicht automatisch, da nationale Importeure und Behörden ihre eigenen Abläufe haben.

Entscheidend ist die FIN, nicht nur das Baujahr

Der Produktionszeitraum grenzt die mögliche Population ein, bestätigt den Rückruf aber nicht für jedes Exemplar. Exaktes Fertigungsdatum, Werk, Ausstattung und Teile-Rückverfolgbarkeit können Fahrzeuge ausschließen. Zwei Golf desselben Baujahrs können daher einen unterschiedlichen Rückrufstatus haben.

Die 17-stellige Fahrzeug-Identifizierungsnummer steht in den Fahrzeugpapieren und ist meist am unteren Rand der Windschutzscheibe sichtbar. Ein autorisierter Betrieb von Volkswagen, Audi, Skoda oder Seat kann damit offene Aktionen prüfen und, falls nötig, einen kostenlosen Werkstatttermin vereinbaren.

Für europäische Fahrzeuge sollte der Halter die nationale Markenabfrage nutzen. Ein negatives Ergebnis in der US-Datenbank ist für eine europäische FIN nicht aussagekräftig, weil NHTSA nur den nordamerikanischen Markt verwaltet. Volkswagen und Skoda stellen offizielle Online-Abfragen bereit; Audi- und Seat-Betriebe können ebenfalls über die FIN suchen.

Unmittelbar nach Bekanntgabe können nationale Listen noch ergänzt werden. Fällt ein Fahrzeug in Modell und Zeitraum, bleibt aber zunächst ohne Treffer, ist eine spätere erneute Prüfung sinnvoll. Eine Werkstatt sollte die Betroffenheit trotzdem nicht allein aus dem Erstzulassungsjahr ableiten.

Für die US-Aktion gibt es keine allgemeine Stilllegungsanweisung. Treten jedoch Klopfgeräusche beim Lenken, Spiel am Lenkrad, plötzlich veränderte Lenkkräfte oder eine Warnmeldung auf, sollte das Fahrzeug nicht weitergefahren werden. Dann ist die Pannenhilfe oder die direkte Abstimmung mit dem Markenbetrieb angemessen, statt auf das Rückrufschreiben zu warten.

Quellen