Waymo Driver der fünften Generation in einem elektrischen Jaguar I-PACE. Quelle: Waymo-Medienressourcen

Waymo meldet 82 Prozent weniger Unfälle mit Verletzten

Waymos Flotte hat bis Ende Juni 2026 271,3 Millionen Meilen ohne Fahrer zurückgelegt, rund 436,6 Millionen km. Nach der im September aktualisierten Sicherheitsauswertung lag die Rate der Unfälle mit Verletzten 82 Prozent unter dem Wert, der für menschliche Fahrer auf derselben Strecke und in denselben Gebieten zu erwarten gewesen wäre.

Die Zahl ist ein Ratenvergleich und kein Anteil unfallfreier Fahrten. Waymo berücksichtigt relevante Kollisionen unabhängig von der Schuldfrage und passt den menschlichen Referenzwert räumlich an. Die Aussage gilt deshalb nicht pauschal für jedes autonome Fahrzeug, jede Straße oder jedes Wetter.

Wo die 271,3 Millionen Meilen gefahren wurden

Den größten Anteil hat Phoenix mit 92,121 Millionen Meilen. Es folgen die San Francisco Bay Area mit 82,421 Millionen, Los Angeles mit 67,098 Millionen, Austin mit 21,064 Millionen und Atlanta mit 8,624 Millionen. „Rider-only“ bedeutet, dass kein menschlicher Fahrer im Fahrzeug die Fahraufgabe überwachte.

Auf Grundlage des menschlichen Vergleichswerts errechnet Waymo 841 weniger Unfälle mit Verletzten. Das Unternehmen formuliert daraus mindestens 841 Menschen, die eine Verletzung vermieden hätten, und nimmt konservativ eine verletzte Person pro Unfall an. Gemessen und verglichen werden jedoch Unfälle; die Personenzahl ist eine statistische Ableitung.

Bei Unfällen mit schweren oder tödlichen Verletzungen meldet Waymo einen Rückgang um 95 Prozent, entsprechend 55 weniger Ereignissen. Das Dashboard nennt 0,01 solcher Unfälle je eine Million Meilen für die autonome Flotte und 0,21 für den menschlichen Referenzwert. Unfälle mit Airbagauslösung in irgendeinem beteiligten Fahrzeug lagen um 82 Prozent oder geschätzte 358 Ereignisse niedriger.

Ergebnisse für ungeschützte Verkehrsteilnehmer

Für Unfälle mit verletzten Fußgängern weist Waymo einen Rückgang um 93 Prozent aus. Bei verletzten Radfahrern sind es 86 Prozent, bei verletzten Motorradfahrern 82 Prozent. Als absolute Differenzen nennt das Unternehmen 86, 56 und 36 weniger Unfälle.

Diese Gruppen sind Teil der 841 und dürfen nicht zusätzlich auf die Gesamtsumme gerechnet werden. Außerdem stammen sie aus Waymos begrenztem Betriebsbereich: kartierte Gebiete, zentral verwaltete Fahrzeuge und Bedingungen, unter denen das Level-4-System eingesetzt werden darf.

Das unterscheidet den Dienst von Assistenzsystemen in Privatwagen. Bei SAE Level 2 muss der Fahrer die Straße dauerhaft beobachten und trägt die Verantwortung, auch wenn das Auto gleichzeitig lenkt und beschleunigt. Waymos Level-4-Fahrzeuge benötigen in ihrem festgelegten Bereich keine menschliche Überwachung im Auto.

Unabhängige IIHS-Analyse bestätigt die Richtung

Das Insurance Institute for Highway Safety veröffentlichte im Juli 2026 eine eigene Untersuchung. Grundlage waren vorgeschriebene Unfallmeldungen an die US-Bundesbehörde, staatliche Polizeidaten und Fahrleistungsangaben. Analysiert wurden etwa 50 Millionen fahrerlose Waymo-Meilen in Phoenix, San Francisco, Los Angeles und Austin sowie rund 222 Milliarden vergleichbare Meilen menschlicher Fahrer.

Nach Angleichung der Meldekriterien lag Waymos Beteiligungsrate an Unfällen, die ein Mensch üblicherweise der Polizei melden würde, 68 Prozent niedriger. Bei Unfällen mit Verletzten betrug der Rückgang 81 Prozent. Das stützt den allgemeinen Befund, ist aber keine exakte Wiederholung der 82 Prozent: Zeitraum, Definition und Stichprobe weichen ab.

Auch zwischen den Städten gab es deutliche Unterschiede. Die Rate polizeilich meldbarer Unfälle war in Phoenix 76 Prozent, in San Francisco 35 Prozent und in Los Angeles 71 Prozent niedriger. In Austin lag sie vier Prozent höher, allerdings auf Basis einer kleinen lokalen Fahrleistung. Ein günstiger Gesamtwert beschreibt damit nicht automatisch jeden Markt.

Warum Rohdaten nicht direkt vergleichbar sind

Betreiber autonomer Fahrzeuge müssen auch Ereignisse melden, die Privatfahrer häufig nicht bei der Polizei anzeigen. Nach Angaben des IIHS fehlen ungefähr die Hälfte aller von Menschen verursachten Unfälle und ein Drittel der Verletztenunfälle in offiziellen Datenbanken. Eine bloße Zählung der Meldungen würde zwei unterschiedlich überwachte Gruppen vergleichen.

Die Forscher entfernten Duplikate, Ereignisse abseits öffentlicher Straßen, Fälle ohne aktive Automatisierung und Meldungen ohne tatsächlichen Unfall. Anschließend bewerteten sie anhand der Beschreibungen, ob ein vernünftiger Fahrer das Ereignis melden würde. Nur 22 Prozent von 736 Vorfällen auf öffentlichen Straßen mit aktiver Automatisierung galten als polizeilich meldbar oder möglicherweise meldbar.

Der Aufwand zeigt eine weitere Grenze. Das US-Meldesystem dient vor allem der Untersuchung von Defekten und Rückrufen, nicht einer laufenden, einheitlichen Risikoberechnung. Da nicht für alle Betreiber vergleichbare Fahrleistungsdaten vorliegen, konnte das IIHS eine vollständige Flottenrate nur für Waymo bestimmen.

Was der Vergleich belegt

Unternehmensdaten und unabhängige Forschung verwenden verschiedene Methoden, weisen aber in dieselbe Richtung: In den untersuchten Städten und Zeiträumen war Waymo pro Strecke an weniger Unfällen beteiligt als die jeweiligen menschlichen Vergleichsgruppen. Die inzwischen große Fahrleistung macht die Aussage belastbarer als frühe Pilotdaten.

Sie bleibt räumlich und technisch begrenzt. Sehr schwere Unfälle sind selten, harte Winterbedingungen kommen in der bisherigen Auswahl kaum vor und die Ergebnisse schwanken zwischen Städten. Bei der Expansion werden lokale Raten, Konfidenzintervalle, zugängliche Ereignisberichte und einheitliche Kilometerangaben wichtiger als eine einzelne Gesamtzahl.

Für Deutschland oder andere europäische Länder kündigt die Auswertung weder einen Starttermin an noch ändert sie Pflichten bei der Nutzung von Fahrerassistenz. Die sachliche Schlussfolgerung lautet: Waymos Level-4-Dienst hat in seinen untersuchten US-Betriebsgebieten weniger Verletztenunfälle und weniger polizeilich meldbare Unfälle pro Meile verzeichnet als die gewählten menschlichen Referenzwerte.

Quellen